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Lehrer-Lease

Unter „Lehrer-Lease“ ist eine Beschäftigungsagentur für Lehrer zu verstehen, bei der junge, engagierte Lehrer mit überdurchschnittlichem Examen beschäftigt werden sollen. Diese werden je nach Bedarf Schulen zur Verfügung gestellt, und zwar sowohl um längerfristige Unterrichtsstrategien realisieren zu können, als auch um Unterrichtsverkürzungen oder gar deren Ausfall zu vermeiden. Es sollen zudem Schulen von Personalaufgaben entlastet werden.

Diese Überlegungen tragen den PISA-Studien Rechnung, wonach Deutschland im schulischen Bereich erheblich hinter den Erwartungen der Öffentlichkeit zurückbleibt. Politischer Wille zur nachhaltigen Verbesserung der Situation ist zwar teilweise zu erkennen, doch von einer grundlegenden Reform unseres Bildungssystems sind wir weit entfernt und stets scheinen die Haushaltslagen der Länder zum Sparen zu zwingen.

Um der Bildungsverpflichtung in Schulen gerecht zu werden, soll eine Beschäftigungsagentur für Lehrer dort wirksam sein, wo bereits heute eine Schnittstelle zwischen öffentlicher Schulversorgung und privaten Schulen sichtbar wird. Lehrer-Lease stärkt die Kompetenz öffentlicher Bildungseinrichtungen und bildet dabei nicht nur einen Rechtsformträgerwechsel zwischen öffentlichen und privaten Schulen ab, sondern schafft dabei etwas Neues, ein an Effektivität und Lernzielen inhaltlich organisatorisch und wirtschaftlich orientiertes neues Schulgebilde.

Durch Outsourcing und Verantwortungsteilung soll sozusagen ein neuer Typ einer zukunftsorientierten Ausbildungsstätte geschaffen werden. Ziel ist es dabei, bestehende Bildungsangebote an die Herausforderungen einer komplexen Lebens- und Arbeitswelt anzupassen, sowohl durch den strukturellen Umbau, als auch die Erweiterung vorhandener Bildungseinrichtungen, die Förderung der kulturellen Kommunikation, eines grenzüberschreitenden Austausches im Bildungsbereich und dies auf allen Sektoren einschließlich KI und Internet.

Um dies zu gewährleisten, sind speziell ausgebildete Lehrer erforderlich, die aber bisher kaum vorhanden oder noch nicht einsetzbar sind, wo sie benötigt werden. Es ist daher erforderlich, junge Lehrer, die ein ausgezeichnetes oder gutes Examen gemacht haben, so weiter zu qualifizieren, dass sie neue überzeugende Ideen konzipieren und realisieren können. Sie müssen sich sowohl fachlich, als auch methodisch fortbilden und über hohe kommunikative und soziale Kompetenz verfügen. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auch auf die Vertiefung der Kenntnisse in der Jugendpsychologie zu setzen sein. Lehrer sollten in der Lage sein, die unter den jeweiligen Lern- und Arbeitsbedingungen erforderlichen Sozialformen zu durchschauen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Rendite

Unser Denken wird stark von unserem Anspruchsverhalten bestimmt. Wenn etwas von uns verlangt wird, messen wir unser eigenes Verhalten daran, was es uns bringt. Der Nutzen wird überwiegend finanziell bestimmt. Renditeerwartungen sind der Seismograph unseres Verhaltens. So funktioniert dies im persönlichen Bereich, wie auch im wirtschaftlichen und politischen Raum.

Sollen zum Beispiel Schulen gebaut, Wohnungen errichtet oder sonstige Infrastrukturmaßnahmen geschaffen werden, zunächst geht es immer nur um Geld. Was kostet das und erst nach Schaffung einer finanziellen Übersicht machen sich die Verantwortlichen an das Umsetzen. Unser Gestaltungswille ist vom Geld bestimmt.

Dabei vergessen wir, dass wir nicht nur persönlich, sondern auch in der Gemeinschaft eine Verantwortung tragen und darauf angewiesen sind, dass das Werk gelingt. Es kommt daher nicht auf das Geld, sondern auf den guten Plan und die Wege der Umsetzung, die Partizipation und dann erst auf die Kompensation an. Das Machen kommt vor dem Geld und nicht anders herum.

Mit anderen Worten, nicht das Geld bestimmt das Tun, sondern ist lediglich ein Mittel des Ausgleichs. In den Gemeinschaften, aus denen wir stammen, kam es auch nicht auf die Kompensation, sondern auf die erwartende Verpflichtung des Einzelnen an zu handeln. Stakeholder Value, vor Shareholder Value entsprach common sense in allen archaischen Gemeinschaften. Diejenigen, die stets nur ihre Renditeerwartungen vor Augen haben und nicht vor allem an den sie verpflichtenden Beitrag des Schaffens denken, übersehen, dass sich nur das Werk und nicht das Geld für sie auszahlt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Konditionierung

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr. Mit dieser schlichten Wahrheit wiesen frühere Generationen darauf hin, dass es gut und sinnvoll sei, sich in der Schule anzustrengen, zu lernen, um später das Erlernte erfolgreich anzuwenden. Dieser Merkspruch hat seine Attraktivität nicht verloren, obwohl er zugegebenermaßen sehr antiquiert daherkommt. Was aber Kern dieser Erkenntnis bleibt, ist die Notwendigkeit, vom ersten Hahnenschrei, das heißt von Geburt an, sich auszubilden und dabei zunächst auf die Hilfe der Eltern, andere Bezugspersonen und später auf die Erzieher in Kindergärten und Schulen zurückzugreifen.

Der sich am Leben ausbildet, ist aber der Mensch selbst und die Bezugspersonen sind daher nur komplementäre Paten dieses Prozesses. Als ich nach Kriegsende zunächst in einem kleinen Dorf und später in einer Kleinstadt heranwuchs, gab es von Anfang viele Herausforderungen, denen ich mich schon als Kind stellen musste. Es ergaben sich Hochwasser, in die man hineinplumpsen konnte, es gab gefährliche Ruinen und in Wäldern herumliegende Kriegsmunition.

Ich erlebte eine aufregende Kindheit, in der ich auch auf mich selbst gestellt war, Dinge erkunden musste und andererseits mit Eltern und auch fremden Menschen Erfahrungen auszutauschen hatte, wie man Gefahren begegnet und sich orientieren kann in Stadt und Natur. Es gab Schutz und Ermahnungen durch Eltern und Kindergärtner, aber keine Einschränkungen meiner Bewegungsfreiheit aus dem Gedanken heraus: Hoffentlich passiert dem Kind nichts. Im Gegensatz zu früher wachsen heute die meisten Kinder wohlbehütet auf.

Wohlbehütet muss hier in dem falschen Sinne gesehen werden: Die Kinder sind überschützt. Wenn den schutzbefohlenen Kindern keine Herausforderungen des wirklichen Lebens mehr begegnen, besteht die Gefahr, dass sie mangels Konditionierung dann versagen, wenn das Leben an sie unerwartete Anforderungen stellt.

Dies können Hochwasser sein, aber auch harmlose Erfahrungen, wie sich unerwarteterweise plötzlich im Wald oder in einer fremden Stadt ohne Smartphone orientieren zu müssen. Wenn die Elektronik versagt, kann es nützlich sein, die analoge Welt zu kennen und auf frühkindliche Erfahrungen in ihr zurückzugreifen. Der umfassend gebildete Mensch hat die besten Voraussetzungen dafür, sich auch dann zurechtzufinden, wenn der sichere Raum plötzlich Risse zeigt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski