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Wer bin ich?

Vor kurzem war ich bei einer Veranstaltung der Einstein-Stiftung Berlin im Zeiss-Großplanetarium. Vortragender des Abends war Herr Professor Surjo Soekadar. Er ist Einstein-Professor für klinische Neurotechnologie an der Charité Berlin.

Sein Thema war: Wer kontrolliert hier wen? Eine Reise an die Schnittstelle von Gehirnen, künstlicher Intelligenz und Robotik. Die durch Projektionen begleitete Darstellung unserer Gehirnaktivitäten war für mich als Laie kaum nachvollziehbar, aber hoch interessant. Eine für viele eher nebensächliche Bemerkung des Referenten will ich allerdings mit meinen Lesern teilen.

Auf Nachfrage aus dem Publikum, wann ein Mensch tot sei, ging er zunächst auf die Beendigung des Lebens durch Ausbleiben von Gehirnströmen ein. Merkwürdigerweise ließ er es aber dabei nicht bewenden, sondern es klang in seinen Ausführungen nach, dass wir auch dann nicht wissen, was weiter im Gehirn eines Menschen vorgeht, weil die Komplexität des menschlichen Gehirns solche Eindeutigkeiten nicht zuließe.

Die genaue Wortwahl kann ich nicht wiedergeben, aber ich fand diese Aussage doch so erstaunlich, dass ich meine, diese mitteilen zu müssen. Wenn das so ist, wann können wir dann den Tod bescheinigen? Was denkt im Gehirn, wenn es abgeschaltet ist? Ist es vielleicht so, dass sich sämtliche Milliarden Daten des Menschen in eine Cloud zurückziehen? Fühlen mag man das schon, wenn ich bedenke, dass ich nach dem Tod meines Vaters am Vormittag seine Gegenwart noch bis zum Abend im Todeszimmer gespürt habe, dann war sie weg. Also, was haben wir nun: Den klinischen Tod, den philosophischen Tod und den transmedialen Datentod? Was gilt?

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski