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Menschenrechte

Dass Menschen Rechte haben, diese Ansicht wird heute schon von vielen Mitmenschen geteilt. Was das aber bedeutet, darüber herrscht weitgehend Unklarheit. Ist das Menschenrecht ein Naturrecht oder werden Menschenrechte verliehen? Vom Staat, von Gesellschaften oder Organisationen? Sind Menschenrechte Universalrechte oder speziell ausgestattete Normen für Menschen?

Über diese und weitere Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen, gibt es ausufernde historische, politische, rechtliche, natur- und geisteswissenschaftliche Abhandlungen. Aber, so wage ich zu fragen, kommt es denn vielleicht auf etwas viel Wichtigeres als die Klärung dieser Frage an, und zwar auf das Menschliche an sich, das sicher auf den rechtlichen Schutzraum oft nicht verzichten kann, aber vor allem einem viel tieferen Verständnis vom Menschen folgt, zur Selbstbehauptung weder Rechte, noch Pflichten benötigt, natürlich auch keine Garantien und sonstige Versprechen. Ecce Homo. Seht, da ist der Mensch.

Als Mensch, Teil der Natur und des Universums, dieser Gewissheit wohnt die Anschauung eines Selbstverständnisses der menschlichen Existenz zugrunde, die Wahrnehmung einer Aura des Schutzes und der Unversehrbarkeit durch andere Menschen, und zwar unabhängig davon, ob deren verletzende Aktivitäten aus ihrer Sicht gerechtfertigt erscheinen oder nicht. Indem sie Anderen zu nahetreten, sie verletzen oder auf sie einwirken, beschädigen sie nicht nur die psychische, geistige und physische Gestalt des Mitmenschen, sondern stellen sich selbst als Mensch in Frage. Es ist so, dass jede Angriffshandlung auf einen anderen Menschen selbstbeschädigend wirkt. Dies nicht nur individuell, sondern auch insgesamt traumatisierend.

Möge dies jeder bedenken, der aus politischen, religiösen oder sonstigen Gründen sich in irgendeiner Form eines anderen Menschen bemächtigt. Er entkommt seiner Selbstbeschädigung nicht, er schließt sich auf Dauer heimatlos aus der menschlichen Gemeinschaft aus, es sei denn, er begreift, um was es im menschlichen Leben geht, und zwar um alles und nicht um ihn oder irgendeine Anschauung vom Anderen, seien diese subjektiv oder kollektiv hervorgebracht.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski