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Urknall

Goethe wollte sich selbst befragend wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Substantiell können Forscher dies heute sicher nachweisen. Weitgehend sind die Forscher inzwischen auch mit ihren Analysen in den Weltraum vorgedrungen und können das interstellare Gefüge so beschreiben, dass auch hier jedem eine Ordnung vermittelbar ist.

Es soll einen Urknall gegeben haben und dann stoben Partikel in einen unendlichen Raum, gestalteten Galaxien und verantworteten nicht sichtbare Materie, weil deren Gravitation so schwer war, dass sie selbst das Licht verschlungen hat. Das Universum vermessen wir nach Lichtjahren und machen es nach unserer Einschätzung einigermaßen gefügig. Selbst Hawkings hat schon über Parallelwelten spekuliert, die allerdings ähnlichen Gedankenmustern gehorchen müssen, wie die Welten, die wir als erfassbar begreifen.

Sehen wir jedoch einmal davon ab, was uns der Mystizismus anbieten könnte und unterstellen wir die Wirksamkeit des Urknalls, müssen wir uns doch eingestehen, dass wir überhaupt nicht einschätzen können, was diesen Urknall zwingend ausgelöst hat und wie der Raum tatsächlich beschaffen ist, in dem sich seither das gesamte Spektakel vollzieht. Alles, was wir wahrnehmen können, beruht auf unseren Annahmen, unserem Verständnis von Zeit und Raum und unserer Sucht nach Erkenntnis, die die eine Erkenntniswahrscheinlichkeit zwingend zur Folge hat.

Wenn sich im Nichts sämtliche Phänotypen des Etwas verbergen, stellt sich uns unwissenden Menschen die Frage, warum sich das „Nichts“ uns mit „Etwas“ offenbart. Aus menschlicher Sicht wäre auch denkbar, dass wir gleichzeitig das Nichts und das Etwas wahrnehmen und nach Opportunitätsgesichtspunkten verteilen. Solange wir selbst die Maßstäbe für unsere Weltenerfahrungen setzen, werden wir stets mit etwas bedacht werden, das dem undefinierbaren Nichts völlig unbedeutend, aber uns existenziell wichtig sein könnte.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Raum und Zeit

Nach unserem Verständnis bewegt sich alles in Raum und Zeit. Wir versichern uns mit dieser Verabredung unserer eigenen Existenz und des gesamten Universums.

Was ist aber, wenn es Raum und Zeit nicht gibt, sondern nur einer subjektiven Einschätzung kognitiver, sprachlicher und emotionaler Art entspricht, um für uns Menschen eine lebbare Welt zu schaffen? Wenn Raum und Zeit nur die Axiome unserer eigenen Lebensversicherung wären, dann spielten auch Unschärfen und Relativitäten von Tatsächlichkeiten keine Rolle mehr, denn die Axiome selbst entsprächen nur unserer Unsicherheit bei der Wahrnehmung von Wirklichkeiten.

Was ist, wenn nichts ist und auch dieses Nichts keine Kraft aufweist, um Raum und Zeit zu ersetzen, sondern Illusionen, Wahnvorstellungen, Träume, Bilder, alle Gaukelspiele vor unseren Augen das Eigentliche sind? Dann sind wir nicht wir, aber doch da, als ein zur Vollendung gelangtes künstliches Projekt. Wir könnten so wirklich sein, wie eine mathematische Lösung, deren Ergebnis sich aus der Aufgabenstellung ableiten lässt. Wird die Aufgabenstellung verändert, so ist auch das Ergebnis ein anderes. Alles kann möglich sein, weil es nicht abhängig ist von Dimensionen in der Maßeinheit Zeit.

Wir selbst und alle, die uns umgeben, entsprechen unseren Erwartungen, unseren begrenzten Möglichkeiten und Verabredung, mit der wir eine Wirklichkeit kreieren, die so fragmentarisch ist, dass sie jederzeit zerbrechen, aber auch wieder neu gestaltet werden kann. Wir benennen die Dinge und damit werden sie wahr. Wir bestimmen das Maß der Zeit und weisen ihr Aufgaben zu. Wir definieren den Raum und erlauben unseren Geschöpfen damit eine verantwortbare Erfahrung. Wenn aber alles aufgelöst ist und nicht wirklich dafür steht, wofür wir es halten oder benennen, dann ist alles möglich und erlaubt eine Unbegrenztheit, die nicht die Norm, sondern die Spinnerei zum Maßstab macht, den Sprachraum verlässt und die „Ahnung“ als Schlüssel für die Ergründung weiterer nächsten Möglichkeiten anbietet.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski