Schlagwort-Archive: Verantwortung

Umdenken

Nur wenn wir unser Leben nicht nur politisch begreifen, sondern unsere Risiken insgesamt abschätzen lernen, unser eigenes Verhalten analysieren und bereit sind, mit den guten aber auch schlimmen Konsequenzen zu leben, vermögen wir unserer Verantwortung gerecht zu werden. Diese Verantwortung kommt nicht nur bei kriegerischen Auseinandersetzungen zum Tragen, sondern in allen Bereichen unseres Lebens, z. B. in der Familie, in der Orientierung des Einzelnen gegenüber dem Staat und dergleichen   mehr.   Es   entspricht z. B.   nicht   unserem archaischen Muster, dass die Familie zunehmend verfällt. Es ist zu bedenken, dass der Staat hierfür verantwortlich ist und zwar, weil er einerseits die Stärkung der Familie politisch-programmatisch festgeschrieben hat, andererseits durch die Alimentierung weiterer Bevölkerungskreise z. B. bei der Renten-, Krankenversicherung etc. dafür sorgt, dass die Familienverbände als nicht mehr wichtig angesehen werden, es nicht mehr ernst ist mit der Eigenverantwortung über Generationen hinweg in wechselseitiger ideeller und materieller Stärkung. Nur die Jüngeren sind so dem Staat gegenüber verantwortlich, und die Älteren versuchen, dem Staat das Geld wieder wegzunehmen. Somit findet der direkte Austausch zwischen den Generationen nicht mehr statt, gefährdet den familiären Zusammenhang.

Auch hier ist ein Umdenken erforderlich, d. h. das Postulat der Familie, untereinander wechselseitig zu sorgen, sollte Verfassungsrang erhalten und nicht nur dem Schutz des Staates unterstehen. Wenn die Familie wieder eine Errungenschaftsgemeinschaft ist und kein lästiger Verbund, der zu meiden bzw. dem zu entfliehen wichtiges Lebensprinzip wurde, könnten Hilfe und Unterstützung gewährt werden, z. B. durch Gewährung großzügiger Unterstützungsfreibeträge. Hierdurch käme es zu einer nachhaltigen Entlastung des Staates, weil es Anliegen von Generationen wäre, erhaltene Leistungen wieder zurückzuführen.

Was damit aufgezeigt werden soll ist die Gewissheit, dass archaische Muster, wenn sie angenommen werden und der Weiterentwicklung dienen, geeignet sind, Familien zu erhalten, den Staat zu entlasten, Kriege zu vermeiden und zur Integritätssicherung beizutragen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Henne oder Ei

In seinem steuerpolitischen Verhalten treibt der Staat seinen Souverän, den Bürger vor sich her. Der Bürger erbringt Arbeitsleistungen und versucht, sein Einkommen zu vermehren. Diese Rechnung geht nicht auf. Der Bürger wird in seinen Erwartungen getäuscht, denn er bekommt letztlich weniger als er verdient hat; einen Großteil seines Einkommens verliert er durch Sozialversicherungsbeiträge und Steuern. Der Bürger versteuert sein Einkommen jedoch nicht nur einmal, sondern ständig mit jeder Aktivität, meist wird ihm dies nicht einmal bewusst. Die mit den Sozialversicherungsbeiträgen erworbenen Rentenanwartschaften z. B. sind zwar ihm gegenüber abgegebene Versprechungen, sind aber genauso wenig sicher, wie jeder andere ungesicherte Lebensstandard. Um sich diese vermeintliche Sicherheit und den vermeintlichen Lebensstandard zu erhalten und zudem die Anforderungen des Staates zu bedienen, erhöht der Bürger kontinuierlich die Schlagzahl seiner Tätigkeit auf Kosten seiner Lebenszeit, seiner Gesundheit, seiner Effizienz und Lebensfreude. Obwohl er der Souverän ist, ist der Bürger gleichwohl bisher nur selten den staatlichen Gelderwerbssystemen entgegengetreten, sondern hat sie sogar meist befürwortet. Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Weil die meisten Bürger hoffen, dass der Staat für Abgabengerechtigkeit eintrete, haben Sie letztlich keine Einwände dagegen, dass der Staat Steuern einzieht und sogenannte „Steuersünder“ unerbittlich verfolgt.
  • Vielen Bürgern scheint es aufgrund der eigenen gewohnt bequemen Lebensführung angemessen, wenn andere Bürger – also die Politiker – den Takt vorgeben und das System vorhalten, welches ihnen Lebensstandard und Sicherheit verspricht.
  • Der Rückfluss von Steuermitteln in den sozialen Bereich oder auch sonstige Steuervergünstigungen und Subventionen erwecken bei den Begünstigten den Eindruck, das Steuersystem bevorzuge ihre Haltung, was allerdings einer Wahnvorstellung gleichkommt.
  • Ein Großteil der Bürger ist Nutznießer der staatlichen Geldverteilungspolitik und nimmt daher gerne, was ihm gegeben wird. Richtig ist, dass der Bürger als interessensgesteuerter Mensch kaum bereit ist, seine Komfortzone zu verlassen, solange der Lebensstandard nicht gänzlich in Frage steht und der Besitzstand gewahrt ist. Warum sollte er seine Einstellung ändern?

Alleine deshalb, weil diese Bürger-Staats-Beziehung nichts mit Selbstverantwortung und Selbstbewusstsein zu tun hat? Das ist nicht zu erwarten, vielmehr muss der Staat selbst das Schrittmaß für den Bürger vorgeben, in dem er sich einschränkt und dadurch diesem Entfaltungsmöglichkeiten überlässt, sein Leben selbst zu bestimmen.

Vergegenwärtigt man sich für einen Moment unsere Gesellschaft als einen Körper, so wird jeder Betrachter dieses Bildes sofort begreifen, dass nicht jede Zelle dieses Körpers vom Gehirn aus gesteuert und kontrolliert werden kann. Vielmehr ist jede Zelle autonom und doch bilden alle Zellen das Ganze, indem sie mit anderen Zellen kommunizieren und ihre Erfahrungen an diese Zellen, aber auch an das Gehirn weitergeben.

Die allein durch die bewusste Wahrnehmung des Gehirns entstehenden Störungen werden bis zur möglichen, aber vom Menschen nicht gewünschten Kapitulation seiner zerebralen Fähigkeiten von den Zellen des Körpers korrigiert und einer Heilung zugeführt. Am Beispiel des Körpers und seiner Zellen kann der Bürger lernen, was Selbstvertrauen, Verantwortung, Zuversicht und Zuverlässigkeit vermag, und zwar jeder Bürger für sich und in der Gemeinschaft. Man muss nur den Willen haben, sich aufeinander zu verlassen und wissen, dass dieser Wille von der Aufnahme- und Umsetzungsfähigkeit eines anderen Bürgers seine Rechtfertigung erhält.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Philanthropie und Finanzkrise

Im Rahmen der weit aufgefächerten Diskussion zur Finanzkrise fallen mit unterschiedlicher Gewichtung folgende Stichworte:

  • Verantwortung
  • Vertrauen
  • Transparenz
  • Regulierung und
  • Sozialbindung.

Von  den  Instrumenten  der  Philanthropie,  also  des  sozialen  Unternehmertums,  ist  in diesem Zusammenhang wenig zu vernehmen. Offenbar besteht die Erwartung, dass die Wirtschaft  auf  der  einen  Seite  und  der  Staat  auf  der  anderen  Seite  alles  wie  bisher werden richten können. Die soziale Marktwirtschaft hat sich bewährt und der Staat hat für entsprechende Regulierungen zu sorgen, die künftige Auswüchse des Finanzgebarens eindämmen  sollen.  Ethik,  Werte  und  Integrität  sind  dabei  die  Nebenbegriffe,  die  es erlauben, das Klima des Gutseins zu erhalten, ohne definieren zu müssen, worin denn genau die beschriebenen Herausforderungen bestehen sollen. Als Schlagworte sind die vorgenannten  Begriffe  alle  tauglich  und  lassen  sich  womöglich  auch  umsetzen  in Richtlinien,  Einschreiben  in  einen  Forderungskatalog  und  gestatten  es  auch,  den Menschen als im Prinzip verantwortlich zu bezeichnen. Ist das aber so? Lenkt diese Diskussion nicht von dem Wesentlichen ab, wie ich an anderer Stelle schon beschrieben habe, und zwar davon, dass der Mensch eigennützig ist und in seiner Eigennützigkeit erkannt werden muss?

Gleichzeitig ist uns vor Augen zu halten, dass eine Eigennützigkeit den Fremdnutzen auch zulassen muss, um das Ganze und dabei auch die eigenen Interessen zu fördern. Appelle alleine werden dabei nicht helfen, sondern zunächst muss die Erkenntnis dazu verbreitet werden, dass wir, die wissenden Menschen, uns selbst beschädigt haben, als wir den Nutzen des Ganzen nicht im Auge behielten. Wenn Geld geronnene Arbeit ist, wie Marx schon richtig sagte, kann es einfach nicht sein, dass ohne Arbeit statt 2 % Rendite, 8 % Rendite versprochen werden. Wer soll, ohne anderen das Geld wegzunehmen, 6 %   Rendite    erwirtschaften    können?    Gerade    an    dieser entscheidenden Stelle hat niemand gearbeitet, der für sich reklamieren kann, einen Mehrwert produziert zu haben. Also müssen wir uns zunächst selbst eingestehen, dass wir uns, statt dafür zu sorgen, dass Mehrwert erarbeitet wird, vor lauter Eigennutz selbst beschädigt haben. Die Opfer der Finanzhaie müssen sich vor allem an die eigene Nase fassen. So auch die Finanzjongleure, die entlassen worden sind, und die Banken selbst, die wider besseres Wissen den Wertpapierhandel aus der Bank heraus in Gesellschaften ausgelagert haben, die keiner Kontrolle unterliegen. Wir müssen unser Verhalten ändern. Wir müssen hinschauen, erkennen, was wir falsch gemacht haben, und daraus Schlüsse ziehen. Das hat mit Vertrauen nichts zu tun und auch nicht mit fein abgestimmten Regulierungen, sondern mit der Erkenntnis, dass alles schief geht, wenn wir glauben, andere übervorteilen zu dürfen, um auf deren Kosten zu leben. Wenn wir die Blamage, die wir durch die Finanzkrise als Menschen insgesamt erlitten haben, als Chance und Herausforderung  begreifen,  werden  wir  künftig  eine  eigene  Kosten-Nutzen-Analyse unserer Investitionen vornehmen, anderen nur dort vertrauen, wo deren Verhalten unser Vertrauen  rechtfertigt,  und  uns  so  verhalten,  dass  wir  für  andere  beispielhaft,  d. h. Vorbilder sein können. Wir werden die Gesetze des ehrbaren Kaufmannes umsetzen, begreifen, dass Eigentum nur die Grundlage sozialer Verantwortung ist, und unsere bürgerliche Gestaltungsmacht wahrnehmen. Die Zivilgesellschaft ist hier in der Pflicht und hat mit den Grundsätzen zur Philanthropie schon heute alle Voraussetzungen dafür geschaffen,   diese   wie   auch   künftige   Krisen   nicht  nur  zu  meistern,  sondern  die notwendigen Impulse zu ihrer Überwindung setzen können. Krisen sind unsere Chancen, unsere eigenen Möglichkeiten, daran zu arbeiten, unsere Verhaltensweise zu überprüfen, uns neu auszurichten, damit wir noch einschneidenderen Krisen unserer Zukunft, etwa in den Bereichen Umwelt, Überbevölkerung, Migration etc., gewachsen sind. Eine Gesellschaft, die schon an einer Finanzkrise verzagt, wäre schlecht gerüstet als Lehrer für künftige Generationen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski