Schlagwort-Archive: vertrauensbildende Maßnahmen

Vertrauen oder Good Governance

Nach allgemeiner Auffassung müssen ständig vertrauensbildende Maßnahmen geschaffen werden. Was sind aber vertrauensbildende Maßnahmen? Vertrauen sind keine Maßnahmen, sondern Maßnahmen sind das Ergebnis von Handlungen eines Menschen, der Vertrauen schaffen will. Wenn dieser Mensch nicht selbst vertrauenswürdig ist, wird er niemals in der Lage sein, zur Vertrauensbildung beizutragen. Deshalb können vertrauensbildende Maßnahmen nicht dem Normbereich eines sozialen Gefüges zugeordnet werden, sondern entspringen der Integrität von Individuen oder Kollektiven, die einen bestimmten Maßstab des Verhaltens verinnerlichen. Gesetze sind dafür da, dass sie befolgt werden. Insofern ist es völlig normal, dass Kataloge aufgestellt werden, die z. B. im Bereich der Good Governance eine bestimmte Form des Verhaltens von Vorstandsmitgliedern einer Aktiengesellschaft einfordern. Damit haben diese Vorstandsmitglieder aber nicht unser eigentliches Vertrauen. Sie verhalten sich – aus welchen Gründen auch immer – entsprechend eines für sie aufgestellten Kodexes. Vertrauen zu bilden aber heißt, in sich selbst einen Maßstab verankert zu haben, der sehr deutlich aufzeigt, was geht und was nicht zu verantworten ist. Dieses Vertrauen ist messbar und nicht nur ideell, sondern auch wirtschaftlich von großer Bedeutung. Es korrespondiert mit der Erwartungshaltung anderer Menschen, die sich in einer verwirrend rück- sichtslosen Zeit nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich orientieren wollen an Menschen, die in sich gefestigt sind, nicht nur ihre Vorteile im Auge haben, erkenntnisreich agieren, sich deshalb auch nicht manipulieren lassen. Vertrauen hilft allen, die sich ihm Rahmen einer Aufgabenstellung offen begegnen und kompetent, schnell und effektiv zu Lösungen gelangen wollen. Früher galt das Kaufmannsehrenwort. Heute müssen leider vor jeder geschäftlichen Begegnung zunächst Strafen für unredliches Verhalten erarbeitet werden, bevor man in einer von Misstrauen geprägten Zeit zu Er- gebnissen gelangt, an denen jeder nur wenig Freude haben kann. Mehr war nicht drin, ist die dafür übliche Begründung. Es sollte ergänzt werden: Mehr war bei diesen Menschen nicht drin. Wir haben die Chance der Alternative.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski