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Kriegslogik

Dass es mit dem Morden in der Ukraine zu Ende geht und dieses Einhalten die Rückkehr unserer Energiesicherheit gewährleistet, dürfte ein weit verbreiteter Wunsch in Deutschland sein. Es besteht folglich zur Zeit ein „Hoch“ für diplomatisch diplomierte Meinungsbürger, die Waffenstillstand und Frieden fordern und dabei freigiebig fremdes Gut, also die Ukraine, verteilen wollen. Die Krim soll ohnehin bei Russland verbleiben, denn dieses entspricht den Verhältnissen.

Sie kann also weg, der Donbass scheint eher russisch zu sein oder sowjetisch, zudem Industriegebiet, also schmutzig, undurchsichtig, bedenken wir also den Klimaschutz und die künftigen Anstrengungen, diesen zu erhalten bzw. wieder aufzubauen, sollen doch die Russen den Ärger haben, der Donbass kann weg. Die Westukraine war diese nicht vielleicht auch ein bisschen österreichisch?! Das behalten wir, aber da wir noch nicht genau wissen, wie dieses „behalten wir“ aussieht, bevorzugen wir die Sicherung durch Schaffung eines UN-Mandatsgebiets, einer Sonderzone, einem Puffer. Die Welt kann sich dann darum kümmern, aber endlich wird es wieder Frieden geben.

Die so reden, sind keine Zyniker, sondern Menschen, die schlicht ihre Interessen vertreten und dies bar jeglicher Erkenntnis und in völliger Ahnungslosigkeit tun, aber ihren Gefühlen vertrauend. Sie verkennen allerdings dabei, dass der Kriegsherr Putin der erste Beamte eines autoritären russischen Staates ist, dessen Macht durch Strukturen, die er selbst mit geschaffen hat, gefestigt wurde. Nicht Ideologien oder Terror sind Putins Herrschaftsinstrument. Er ist weder Stalin, noch Hitler.

Auch wenn der eine oder andere Russe ihn vergöttern mag, darauf wird er sich nicht verlassen können, sondern allein auf seine Polizei, die willfährige Justiz und das Militär. Seine Macht ist strukturell verankert und daher schwer auflösbar, weil hierfür die Zustimmung der in den Strukturen handelnden Personen erforderlich wäre. Werden sie aber ihre Zustimmung erteilen und, wann werden sie dies tun?

Wahrscheinlich dann, wenn sie sehen, dass Putin scheitert, wenn sie sehen, dass der Ukrainekrieg auf einer Fehleinschätzung ihres Kriegsherrn und seiner Gefolgschaft beruht, dann, wenn sie erhebliche Nachteile erleiden und die Jugend keine Perspektiven mehr für sich erkennt. Narrative sind beliebig oft und vielfältig erzählbar, aber werden die Strukturen Russlands beschädigt, ist Putin am Ende.

Einen Waffenstillstand und ein verkündeter Friede spielt Putin dagegen in die Hände und stärkt seine Position. Solange Putin die Sinnlosigkeit des von ihm entfesselten Krieges nicht wahrnimmt und entsprechend handelt, geht das mörderische Spiel weiter, augenblicklich noch in der Ukraine, aber dann vielleicht auch in Estland und Litauen, wer weiß?

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski