Wer wagt, gewinnt!

Wer wagt, gewinnt! Wir müssen grenzenlos spinnen, um aus der Vielfalt der Gedanken und Empfindungen Verwertbares zu gewinnen, daraus Neues entwickeln, um das  so Geschaffene wieder normativ zu ordnen. Wer grenzenlos denkt, ist beileibe kein Ha­sardeur, sondern ein Rea­list, der seine Möglichkeiten nicht beschränkt, sondern seine Potentiale optimal ausschöpft. Jeder, der im Geschäftsleben „seine Frau“ oder „seinen Mann“ steht, weiß, dass ohne Integrität, Wa­gemut, Zutrauen an die eigenen Fähigkeiten und Verantwortungsbe­wusstsein nichts läuft. Zocker und Zauderer kommen nicht sehr weit. Sie verheddern sich im Gewirr ihrer Ansprüche und Ab­wehrstrategien, was sich auch als eine große Belastung unserer Gesellschaft darstellt. Unser Leben hat sich zwar nicht grundsätzlich in diesem Jahrhundert verändert, aber es entwickelt sich viel rasanter und dynamischer weiter als wir dies früher geglaubt und erwartet haben.

Dies geschieht einerseits durch äußere Einflüsse, wie sie sich am Beispiel der IT-Technologie abzeichnen, andererseits aber auch durch eine zunehmend persönliche Bereitschaft, neue Wege zur Gestaltung unserer Zukunft zu wagen. Offen und frei für Neues zu sein bedeutet, nicht nur eine Sicht auf die Dinge zu behaupten, sondern die eigenen im Zusammenspiel mit öffentlichen wahrzunehmen. Die Formung des „Wir-Ichs“ ist ein Prozess, der wachsen­den Einfluss auf unsere ganze Gesellschaft gewinnt, denken wir zum Beispiel an „Liquid Democ­racy“ oder Gesellschaftsphänomene wie Facebook. Dabei ist festzustellen, dass jeder Ein­zelne von uns als Individuum wahrnehmbar bleiben möchte, aber auch Wert darauf legt, bei der Entwicklung unserer Gesellschaft mitzusprechen, gestaltend dabei zu sein. Das gilt nicht nur für die technischen Heraus­forderungen, sondern auch für die Veränderungen im Bereich der Warenproduktion und des Dienstleistungs- und Sozialbereichs. Dabei ist zu erkennen, dass bestimmte Produkte im konven­tionellen Warenbereich von Arbeitnehmern auch in anderen Ländern vielleicht sogar besser und effektiver hergestellt wer­den können. Wir sind dagegen womöglich in der Lage, Produkte im Bildungs-, Dienstleistungs- und Sozialbereich weitaus effektiver zu konzipieren und zu gestalten. Die Bedeutung dieser Bereich für die Zukunft unserer Gesellschaft zeichnet sich ab, ist aber noch längst nicht definiert. Dabei hat das Wert, was wir Menschen als wertvoll erachten. Ob dies ein Gemälde von Picasso ist oder das Produkt Pflege­dienst für ältere Menschen, das Bil­dungsangebot im frühkindlichen Bereich oder gar die Entwicklung unserer Städte und Social Communities, insbesondere unter Integrationsgesichtspunkten. Völlig neue Produkte warten dar­auf, dass wir sie entdecken, ihnen Form geben und für ihre Realisie­rung sorgen, wobei als In­strumentarien der Umsetzung nicht nur die herkömmlichen Stiftungen zur Verfü­gung stehen, sondern alle Unternehmenseinsatzformen mit dem Versprechen sozialer und auch finanzieller Renditen. In unserer Gesellschaft gilt beständig der Satz: Was nichts kostet, ist nichts wert. Deshalb müssen in der Umsetzungsphase dieser Produkte Rekompensationsprozesse abge­bildet werden, die dem Anspruch des Einzelnen auf Anerkennung seines Einsatzes dauerhaft Rechnung tragen.

Wer zuletzt kommt, den bestraft das Leben. Oder anders gesagt, wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Es liegt an jedem von uns, schon heute alle Möglichkeiten zu visionieren, damit wir uns beizeiten  mit anderen konkur­rierend und ergänzend zur klassischen Warenproduktion mit unseren Fähigkeiten einbringen können, selbstverständlich dabei auch profitieren von unseren bisherigen im herkömmlichen Wirtschaftsverkehr gewonnenen Erfah­rungen.

Um uns auf den Weg zu machen zu neuen Herausforderungen und diese Ziele, soweit wir sie für lohnenswert erachten – auch zu erreichen – benötigen wir die Weitsicht von Men­schen, die ihr Herz in den Ring werfen, mit Sachverstand und Wagemut ihre Kompetenzen zur Verfügung stellen, um für unsere Gesellschaft neue wirtschaftliche und ideelle Gestaltungsräume in den wichtigen Berei­chen der Daseinsvorsorge und Fürsorge zu öffnen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski