Philanthropische Motive

Natürlich  gibt  es  auch  die  Lästigkeitsprämie,  die  ein  möglicher  Spender  bereit  ist  zu zahlen, um nicht mehr angesprochen, sondern in Ruhe gelassen zu werden. Das ist aber eher die Ausnahme, da ein derartiges Verhalten meist einen persönlichen Verlust signalisiert, Unbehagen schafft und trotz aller gegenteiligen Beteuerungen der bedachten gemeinnützigen Einrichtung Irritationen über den Sinn und Zweck der finanziellen Zuwendung erzeugt. Andere Motivationen sind bei Stiftern und Spendern auch nicht von der Hand zu weisen, steuerliche Aspekte, Aspekte der Unternehmensnachfolge, Vermögenssicherung, Absicherung der eigenen Familie und/oder Befreiung von Vermögensmassen unter anderem aus religiösen Gründen. „Ins Grab kannst Du nichts mitnehmen.“ Die Menschen haben eine Fülle von Gründen für ihre Verhaltensweisen, die es jeweils zu analysieren und zu respektieren gilt. So wenig wir Anspruch auf Förderung haben, haben wir auch den Anspruch darauf, dass andere sich für uns engagieren. Schließlich haben Stifter und Spender auch nicht das Recht, sich einzumischen, sondern müssen  stets  gerufen  werden.  Dabei  ist  es  oft  sinnvoll,  sich  nicht  nur  finanziell anzudienen, sondern auch sehr intensiv nachzuprüfen, ob die Voraussetzungen für die Verleihung  eines  Preises  oder  einer  Fördermaßnahme  auch  tatsächlich  gerechtfertigt sind. Oft könnten stattdessen strukturelle Probleme bei potenziellen Zuwendungsempfängern festgestellt werden und dazu zwingen, diese zu beseitigen. Dies könnte in letzter Konsequenz dazu führen, dass die Hilfe und Unterstützung in einem viel geringeren Maße als zunächst vermutet erforderlich ist. Förderbeträge verführen den Zuwendungsempfänger zuweilen zur Verschwendung. Er freut sich möglicherweise über die Unterstützung, hat aber etwa kein Konzept, wie er sinnvoll mit dem Zugewendeten umgehen sollte. Deshalb ist es seitens des Fördergebers unabdingbar, Hilfestellungen zu geben, um zu gewährleisten, dass mit den Fördergeldern und anderen Zuwendungen sinnvoll und nachhaltig umgegangen wird.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski