Ich möchte alle Menschen, junge und alte Menschen, Geschäftsleute, Rechtsanwälte, Ärzte, Investoren, Vorstandsmitglieder von Unternehmen, Handwerker und Arbeiter begeistern, aufrütteln, sie gewinnen für eine lebensbejahende Sache. Ich möchte, dass sie sich zur eigenen Bereicherung ihres Lebens einbringen in die Möglichkeit, Neues zu erleben, Genuss dabei zu empfinden, im gemeinnützigen Bereich tätig zu sein. Stattdessen erfahre ich oft halbherzige Anerkennung, distanzierende Skepsis und sogar Hilflosigkeit. Meinen Gesprächspartnern, die vorwiegend meinen eigenen gesellschaftlichen Kreisen angehören, bleibt es zuweilen verwehrt, ihren Unmut zu äußern oder mir gar direkt ins Gesicht hinein zu sagen, dass sie dies alles nichts angeht, sie unbehelligt bleiben möchten, zufrieden mit ihrem Leben seien. Einerseits heißt es im Volksmund bewundernd: „Der hat viele Eisen im Feuer.“ Andererseits gibt es den begründeten Argwohn: „Der tanzt auf vielen Hochzeiten.“ Eulenspiegeleien, die taugen nicht für eine anständige bürgerliche Gesinnung. Genau diesen Vorbehalt lassen Sätze erahnen wie diese: „Wie schaffen Sie dies nur alles?“ oder „Ich muss mich auf eine Sache konzentrieren, kann mich nicht noch verzetteln!“ und schließlich „Sie haben sich aber viel vorgenommen!“ Gespräche, die zunächst in freundschaftlichster Atmosphäre geführt werden, enden oft damit, dass der Gesprächspartner beginnt, die überreichten, näherführenden Informationen zur Stiftung und ihren Projekten zu studieren und schließlich erklärt, einmal überlegen zu wollen, was man dann mal Gemeinsames tun könnte. Das Sprichwort sagt dazu: „Aus den Augen, aus dem Sinn“ – und genauso ist es. Auf dieser Ebene verlaufen die Gespräche im Sande. Wäre ich Millionär und hätten die von mir vertretenen Stiftungen großes Stiftungsvermögen, wäre ich Everybody’s Darling und viele meiner Gesprächspartner wären froh, wenn wir uns bei allen möglichen schönen Events über Projekte und Ideen austauschen würden. Das kostet ja nichts, schafft ein Wohlgefühl und ändert an der geschaffenen Ordnung des bereits Erreichten nichts. Ist Geld da, wird auch akzeptiert, dass die damit finanzierten Projekte vielleicht konfus sind, kaum nützen und zuweilen nur der Imagepflege dienen. Wenn Geld da ist, ist alles erlaubt. Wenn es fehlt, muss derjenige, der gleichwohl etwas bewegen will, sich die Frage gefallen lassen, ob er nicht etwas falsch mache. Ja, er macht etwas falsch. Er hat die falsche Zielgruppe für seine Bemühungen gewählt. Ein glühendes Herz ist das eine, das andere ist der kompetente Träger für Ideen und Projekte. Junge Menschen, die in der Regel über kein Geld verfügen, sind nicht nur begeisterungsfähig, sondern sie haben auch Sinn und Verstand für die Umsetzung von Ideen, weil sie diejenigen sind, die am Anfang stehen, noch mit nichts abgeschlossen haben, Appetit auf das Leben haben.
Ihnen bieten philanthropische Ideen und Projekte Gelegenheit, sich zu erproben, sich einzubringen in einen startenden Lebensprozess der Möglichkeiten. Auch sie sind im wahrsten Sinne des Wortes eigennützig, und daher ist dieser Eigennutz ein probates Vehikel der guten Idee. Wir müssen also, um die Philanthropie zu befördern, auch auf junge Menschen setzen, sie bitten, vorhandene Impulse aufzugreifen, zu verstärken und wirksam werden zu lassen. Nur sie sind in der Lage, nachhaltig dafür zu sorgen, dass philanthropische Produkte weiterentwickelt und vertrieben werden. Sie verfügen auch über die mediale Kompetenz, um das, was sie entwickelt haben, auch im Internet abzubilden. Vor allem haben sie noch ein großes Gemeinschaftsgefühl, kennen viele gleichaltrige Menschen, mit denen sie etwas auf die Beine stellen können und wollen, haben noch nicht die Vereinzelung erfahren, die vielen lebenserprobten älteren Menschen oft zuteil wird. Sie haben in der Regel wenig Geld und sind daher zuweilen erfindungsreicher in der Umsetzung ihrer Vorhaben auch auf der Basis eines kleinen Budgets. Dies drückt sich in einer großen solidarischen Haltung aus, und zwar beispielsweise dadurch, dass einer dem anderen verspricht, seine Website kostenlos zu gestalten, wenn dieser ihm andererseits auch einen weiteren Auftrag zu besorgen vermag. Im Übrigen sind viele bereit, für wenig Geld etwas zu tun in der Hoffnung, sich eine berufliche Grundlage zu schaffen, um dann daraus mit der Zeit profitable Erfolge zu erzielen. Also: Auf die Jugend kommt es an. Damit sind wir Älteren aber nicht ausgegrenzt, sondern entlastet. Wir dürfen Impulse setzen, Rat und Anregungen geben, Jugendlichen finanzielle Hilfe zuteil werden lassen, aber müssen nicht mehr unbedingt diejenigen sein, die die Philanthropie im Alleingang auf der Welt durchsetzen, damit sie nicht untergeht. Diese Erleichterung könnte uns in Ruhe Golf spielen lassen, aber auch ins Gespräch bringen mit jungen Menschen, deren Entrepreneurship wir bewundern dürfen, ohne vom schlechten Gewissen geplagt zu sein. Wir könnten lustvoll, ohne Selbstkasteiung mitwirken und uns mitfreuen an den Erfolgen aller Menschen im philanthropischen Bereich.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski