Verweigerung

Wenn ich mich verweigere, missachte ich ein bestehendes Gebot. Ich mache nicht mit, widersetze mich, setze mich darüber weg, folge weder einem Trend, noch einer Anordnung. Mit Konsequenzen muss ich üblicherweise rechnen, allerdings ist dies nicht zwangsläufig.

Verweigerungen können sowohl mehrheitsfähig sein, als auch dazu führen, dass meine Haltung mich ausgrenzt und für mich Nachteile bringt. Soweit meine Verweigerung nicht nur die Reaktion auf unterschiedliche Angebote darstellt, kann sie systemische Auswirkungen sowohl für mich als auch für andere haben.

Verweigere ich es zum Beispiel aus politischen, ethischen oder religiösen Gründen, eine Waffe in die Hand zu nehmen oder die Nahrungsaufnahme, um einen für mich wichtig erscheinenden Erfolg durchzusetzen, müssen sich andere Menschen mit der durch meine Verweigerungshaltung provozierten Situation beschäftigen.

Verliert die Verweigerung dabei ihren ausschließlich persönlichen Charakter und wird Teil einer gesellschaftlichen Programmatik, so kann sie die Grundlage dafür sein, dass sich aus der Verweigerung Gebote entwickeln. Nicht jede Weigerung kann mit einem Erfolg rechnen, außer sie besteht darauf, dass eine Entscheidung des Menschen niemals programmierbar ist.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski