8. Bildungsangebote

Die Bildungsangebote variieren je nach Lebensalter und Voraussetzungen, insbesondere im sozialen Umfeld. Selbst ein Kleinkind ist schon bildungsfähig, denn Begreifen, Sprache, Bewegung, Tast- und Geruchssinne sowie Hören sind bereits Teil des Bildungsangebots an Kleinkinder. Bei diesem Angebot spielt Pädagogik eine geringere Rolle als die Bereitschaft jedes Einzelnen, sich in diesem Verständnis mit dem Kleinkind einzulassen. Eine Vielfalt von Erfahrungen, Aufmerksamkeiten und Aufzeigen von Grenzen, die Herausforderung durch Sprache, Erzählungen, Lieder und instrumentale Musik spielen dabei eine entscheidende Voraussetzung für die Bildungsfähigkeit sowohl im jungen als auch im fortgeschrittenen Alter. Der Mensch ist sich vom ersten Augenblick seines Lebens bewusst. Wird der Mensch in dieser Phase bereits ernsthaft angenommen, hat er jede Voraussetzung, sich im Leben auch ein entsprechendes Bildungsprofil zu schaffen.

Die Bildungsangebote variieren selbstverständlich, denn diejenigen des Kleinkinds entsprechen nicht mehr denjenigen des Heranwachsenden, der Erwachsenen und der älteren Menschen. Der Heranwachsende verhält sich gegenüber Bildungsangeboten in der Regel reserviert, und zwar deshalb, weil er die Bildungsangebote als zusätzliche Belastung empfindet und nicht als Herausforderung seiner Fähigkeiten. Die Herausforderungen, denen sich Jugendliche stellen, sei es im mechanischen Bereich, sei es im virtuellen Bereich, z. B. durch Game Boy, Computer und dergleichen, in echte Bildungsherausforderungen umzusetzen; das ist das Ziel. Jugendliche sind wissbegierig und hilfsbereit. Ihre Hilfsbereitschaft als Bildungsmoment zu erfassen, gewährt den Einstieg in eine neue Bildungsdimension. Dasselbe gilt für alle Game Boy- und Computerspiele. Die Rituale dieser Spiele müssen für den Bildungsbereich nutzbar gemacht werden, denn Jugendlichen kommt es weniger auf den szenischen Inhalt an als vielmehr auf die spielerische Herausforderung, denen sie sich stellen möchten.

Erwachsenenbildung ist nicht zu erreichen durch Bevormundung der Erwachsenen und allgemeine Hinweise auf Bildungschancen, komplexe und komplizierte Bildungsangebote und Maßregeln. Bildungsangebote richten sich nach der Bildungsfähigkeit. Sie müssen den Adressaten erreichen und dürfen keine Parallelveranstaltung zur Absicherung eines potenziellen Bildungsauftrages sein. Ein derartiges Missverständnis provoziert zur Ablehnung von Bildungsangeboten und führt dazu, dass Bildungsangebote nicht nur abgelehnt werden, sondern sich auch Bildungsfeindlichkeit breit machen kann. Die Auswirkungen sind dabei beträchtlich, insbesondere im Hinblick auf die Heranwachsenden und Jugendlichen, soweit sie in einem bildungsfeindlichen Milieu aufwachsen müssen. Ihr potenzielles Bildungsinteresse wird oft lächerlich gemacht.

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Hans Eike von Oppeln-Bronikowski