Verteilungskampf

Wir folgen Regeln, deren archaischer Bedeutung wir uns oft nicht bewusst sind. Die Jagd, das Opfer stellen, schneller, besser, erfolgreicher sein – aber auch klüger? Es ist bemerkenswert, dass bei der Werterfassung unserer Güter Sachverstand und Integrität und die Fähigkeit, diese auch nutzbringend einzusetzen, weniger zählen als Geld. Um das Geld dreht es sich im eigentlichen Sinne. Alles ist uns gleichgültig, es geht ums Ganze, es geht ums Geld. Das Geld ist das Bärenfell, welches verteilt wird. Der Verteilungskampf im Leben der Menschen hat in Ermangelung anderer Ressourcen mit Geld zu tun. Geld dient dem Fortschritt. Dies haben wir so verabredet. Warum haben wir das getan? Es gibt keine abschließend vernünftige Erklärung, sondern nur den Hinweis darauf, dass Geld nicht stinkt. Es bleibt in seiner Reinheit erhalten, auch wenn wir es durch Spekulation, durch Manipulation oder auf andere Art und Weise Anderen abgetrotzt haben. Bemerkenswerterweise ist in dem Wort „verdienen“ auch enthalten, dass man dienen muss, um das Ergebnis seiner Bemühungen, also den Verdienst zu erhalten. Jeder, der sich allerdings nicht verdient gemacht hat um das Geld, erwirbt es auf Kosten anderer, d. h. andere müssen dafür dienen, dass er das Geld hat. Nicht die moralische Bewertung dieses Vorganges ist dabei besonders beachtlich, sondern das Paradoxon, dass in unserer Gesellschaft der Spekulant einen entschieden höheren Stellenwert hat, als derjenige, der das Geld mit harter Arbeit verdient. Ist es Ironie, dass oft der Sieger nicht nur bewundert wird, sondern es sich sogar leisten kann, als Wohltäter aufzutreten? Überhaupt nicht! Der Verteilungskampf ist ein System, das uns stets in Bewegung hält – des Fortschritts wegen.

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Hans Eike von Oppeln-Bronikowski