Dem „kleinen goldenen Buch“ des Dale Carnegie Erfolgstrainingsunternehmens entnahm ich folgende Empfehlungen aus dem Werk des Dale Carnegie „Wie man Freunde gewinnt“.
„Gewinnender Auftreten“
- 1. Kritisieren, verurteilen und klagen Sie nicht.
- 3. Wecken Sie in Anderen lebhafte Wünsche.
- 5. Lächeln Sie.
„Führen Sie“
22. Beginnen Sie mit Lob und aufrichtiger Anerkennung.
„Ein guter Weg, Sorgen und Ängste zu überwinden“
21. Beten Sie.
Die Liste der guten Regeln ließe sich fortsetzen. Keine der in diesem Büchlein ausgesprochenen Empfehlungen habe ich als esoterisch überzogen eingeordnet. Vielmehr vermitteln die Empfehlungen Binsenweisheiten, die den Umgang mit anderen Menschen sympathischer und erfolgversprechender gestalten. Eigentlich bedürfte es weder dieses Büchleins, noch kostenintensiver Trainingsprogramme, um ein „Lächeln“ wieder auf die Gesichter anderer Menschen zu zaubern oder mir selbst ein „Danke“ zu entlocken. Aber es ist offenbar so, dass das Selbstverständliche in unserer Gesellschaft nicht selbstverständlich ist, sondern Bestätigungen und Ermutigungen eingeübt werden müssen, um berufliche und private Erfolge herbeizuführen. Was bedeutet das nun für uns Menschen? Benötigen wir ein taktisches Training, um andere anzulächeln? Ist Beten die taktische Ultima Ratio auf dem guten Weg, Sorgen und Ängste zu überwinden? Wer kein gläubiger Mensch ist, dem dürfte das Beten auch nicht helfen. Derjenige, der anderen Menschen nicht gutgesonnen ist, scheitert zumindest innerlich am Verständnis für andere Menschen. Ist die Identität zwischen dem eigenen Verhalten und der inneren Einstellung nicht gewahrt, dürfte die Erfolgsausbildung scheitern, ja sogar das Misstrauen daran genährt werden, dass das Training nur einem einzigen Ziel dient, Erfolg zu haben, d. h. sich gegenüber anderen mit seinen eigenen Interessen durchzusetzen. Gelingt das wirklich? Ich habe da meine Zweifel, verstehe aber auch sehr gut, dass die Trainingsprogramme zumindest für die Zeit der Ausbildung das wohlige Gefühl vermitteln, alles sei einfach und erreichbar, wenn man nur will und sich an die wohlmeinenden Empfehlungen hält. So gehört die Ausbildung in den Trainingszentren selbst zu den schönsten und bleibendsten Erlebnissen der Teilnehmer, schafft Verbindungen, vielleicht sogar Freundschaften. Da draußen in der Welt der Selbstverwirklichung, von Ansprüchen und Gier sieht dann schnell die teuerste Empfehlung oft sehr alt aus.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski