Höher. Schneller. Weiter.

Der Fortschritt unserer Gesellschaft wird in Geld gemessen. Mehr Geld bedeutet mehr Mög­lichkeiten des Konsumierens, des Prestiges und der Sicherheit. Der Kunde ist König. Keine Rede davon. Der Kunde ist ein Betriebsmittler zwischen Warenabsatz und Gewinn. Dieser Betrieb muss am Laufen gehalten werden, allein deshalb ist der Mensch wichtig und wird zu seinen Kaufentscheidungen verführt durch Bilder wie Imagegewinn und Freiheit. Das scheint zwar manchen Menschen lästig zu sein und dennoch ändert sich nichts. Kein Appell an ein anderes Kauf- und Konsumverhalten, kein Appell an Klima- und Energievernunft wird jemals erfolgreich sein. Alle Menschen sind interessensgesteuert. Es entspricht dem menschlichen Interesse, am Fortschritt beteiligt zu sein und nicht zu verlieren, sondern immer nur zu gewinnen. Aber den erhofften Gewinn einzufahren, wird immer verlustreicher. Der Mensch muss immer mehr arbeiten, um seinen Lebensstandard zu halten, seine Lebenszeit verkaufen, um Verluste aus­zugleichen, sich als Konsument und Warenbeschaffer auf dem Markt permanent anbieten. Er kommt nicht zur Ruhe und muss sich ständigen neuen Herausforderungen an seine Leistungs­bereitschaft stellen. Schneller, höher, weiter. Der Kampf scheint aussichtslos und dabei haben die Menschen und damit auch die gesamte Gesellschaft selten eine Einrichtung im Visier, die für die gesamten Lebenshetze mit verantwortlich ist: den Staat. Gemeint ist hier der Staat in seiner Selbstherrlichkeit als Feudalherr und Steuereintreiber. Er achtet darauf, dass die Ent­faltungsmöglichkeiten seines untertänigen Bürgers die von ihm verordneten Begrenzungen erfahren. Diese sollen ihn anstacheln, die vom Staat bewirkten Begrenzungen seiner bürgerlichen Möglichkeiten immer wieder zu überwinden zu versuchen, mit dem Ziel, eine per­manente Mittelbeschaffung aufrechtzuerhalten. Am Ende muss er sich doch erschöpft eingestehen, dass seine eigene Gestaltungsfreiheit unter die Räder gekommen ist. Nicht der Bürger gestaltet, sondern der Staat. Nicht der Bürger entscheidet für sich, was er will, was ihm gut tut und worin er die Prioritäten seines Handelns zu sehen hat, sondern der Staat, indem er ihm die Mittel zur Selbstverwirklichung entzieht und die von ihm selbst gewünschten Prioritäten des gesell­schaftlichen Handelns seines Untertanen durch finanzielle Leistungsanreize schafft. An der Policy allerdings, die diesem staatlichen Masterplan zugrunde liegt, hat der Bürger zu keiner Zeit mitgewirkt. Mangels Übersicht macht er dennoch auf eine eingefahrene Art und Weise weiter und empfindet jeden Appell an seine Mitwirkungsbereitschaft trotz aller anderweitigen Bekundungen zum Beispiel in den Be­reichen des Umweltschutzes, der Energie und der Gesundheit im Grunde als Zumutung. Der Staat selbst hat ihm verdeutlicht, dass Sparen keine Zinsen bringt, sondern der Mensch sich der staatlichen Fürsorge anvertrauen, konsumieren und sich am Ende selbst verschwenden soll.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski