Der Arbeitsmarkt orientiert sich an dem herzustellenden Produkt. Die frühe Produktionsgesellschaft war individualistisch geprägt. Die von Individuen bestimmte Erwerbsgesellschaft wurde erst modifiziert im Zeitalter der maschinell verfahrenden, seriellen Fertigung von Produkten. In patriarchalisch geführten Betrieben versuchte der Dienstherr, die Übersicht zu wahren und seinen Mitarbeitern Fürsorge angedeihen zu lassen. Das familiäre Prinzip war damit nicht durchbrochen.
Mit der Massenvergesellschaftung der Arbeit indessen war die Bindung auf Dauer nicht mehr möglich, sondern dem Kollektiv der Arbeiter wurden die Arbeitsabläufe vorgegeben, ohne dass es auf diese Strukturen noch irgendwelchen nennenswerten Einfluss gehabt hätte. Die Tätigkeit eines Fließbandarbeiters oder einer Fließbandarbeiterin ist dafür ein beredtes Beispiel. Die Gleichförmigkeit der Beschäftigung machte Arbeiter und Arbeiterinnen im Prinzip austauschbar.
Auch heute noch ist der arbeitende Mensch in der Regel kollektiv bestimmt, das heißt er stellt sich darauf ein, genormte Arbeitserwartungen erfüllen zu müssen. Für den Dienstherrn, der heute in der Regel weit weg von den Produktionsabläufen selbst seine Übersicht zu wahren sucht, bedeutet dies keine Einschränkung wirtschaftlicher Vorhaben, sondern Gestaltungssicherheit bei der Verfolgung der Unternehmensziele. Im Zuge dieses Transformationsprozesses haben sich nicht nur die Arbeiter von ihrer Arbeit entfremdet, sondern auch die Unternehmensführer von dem Produkt des Unternehmens.
„Shareholder“ und ihre Sachwalter sind heute vorwiegend renditeorientiert und nehmen die Gesellschaft und ihre gesellschaftliche Verantwortung, den Betrieb und dessen betriebliche Verantwortung nur im Rahmen der von Beratern konzipierten Betriebsverfassung und etwaiger Marketingstrategien wahr. Dabei herrscht kein böser Wille, sondern das Verhalten der Verantwortlichen folgt der bisherigen Erfahrung, dass betriebliche Abläufe zwar evaluiert, aber in ihrer Konfiguration nicht nachhaltig verändert werden können.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski