Hass

Hass überall. Mal ist vom Hass auf die jeweilige andere Religion die Rede, mal erfahren wir etwas über den Hass von Menschen auf die Einrichtung von Flüchtlingsheimen, den Hass auf einen Nachbarn oder Ethnien. Der Feststellung dieses Hasses folgt die Interpretation auf den Fuß. Der Hass habe damit zu tun, dass die eigene Religion von Anderen missachtet werde, mit der Angst vor der Überfremdung oder der wirtschaftlichen Verelendung. Es wird versucht, dem Hass so eine rational erfassbare Basis zu geben, die Worte Frust und Überforderung werden bemüht.

Die Interpreten spielen denjenigen, die hassen, in die Hände. Der Hass ist somit gerechtfertigt und ein Element der sozialen Auseinandersetzungen, das nach begreifbaren Kriterien gewürdigt werden muss. Muss es das wirklich?

Wer hasst, liebt nicht. Er ist liebesunfähig. Er empfindet keine Empathie für andere und verachtet sich schließlich selbst, weil er wie ein Selbstverliebter daherkommt, aber auch diese Sprache nicht beherrscht. Könnte man mit dem Hassenden Mitleid empfinden, dann entdeckte man eine in eigener Schuld völlig erstarrte narzisstische Persönlichkeit, deren ausschließliche Selbstbehauptung darauf beruht, dass er andere Menschen demütigt und quält. Ein Hassender ist wie ein Mensch aus Zellophan. Er bemüht sich um Anerkennung, aber was von ihm bleibt, ist nichts als Leere, Unscheinbarkeit. Doch dem Hassenden kann geholfen werden, aber nicht durch Beschreibung seiner angeblichen Beweggründe, sondern durch konsequentes Handeln, das Respekt für die Integrität anderer Menschen einfordert und auf die Verhinderung der Taten durch Aufklärung und Prävention durch Präsenz des Staats abzielt. Regeln, Pflicht und Verantwortung sind Tugenden, die altmodisch erscheinen, aber wirkungsvoll unsere Gesellschaft austarieren könnten, wenn wir für deren Akzeptanz eintreten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski