Schuleingangsuntersuchung

Machen Sie Ihr Kind fit für die Schule! Die ESU ist Pflicht. Zum vorgeschriebenen schulärztlichen Untersuchungstermin sind Fragebogen, Impfbuch, Vorsorgeuntersuchungsheft, wichtige ärztliche Befunde und eine evtl. vorhandene Brille sowie – auf freiwilliger Basis – das Ergebnis eines Kita-Sprachtestes mitzubringen. Das Ganze ist nicht freiwillig, sondern Gesetz. Die Fragebögen als Grundlage der Untersuchung beinhalten eine umfassende Aufnahme aller relevanten Familiendaten und des Lebensumfeldes. Alle Daten verbleiben beim Arzt des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes, also einschließlich sämtlicher personenbezogener Daten und die des Lebensumfeldes.

Allein zu statistischen Zwecken werden die Daten anonymisiert weiterverarbeitet durch andere Einrichtungen. Das Kind wird bei der Einschulungsuntersuchung körperlich sowie auf seine geistigen und motorischen Fähigkeiten hin geprüft. Damit wird einerseits der schulische Entwicklungsweg prognostiziert zum anderen ein Profil angelegt, auf welches der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst jederzeit, z. B. bei der Vorbereitung einer Sorgerechtsentscheidung, Umgangsrecht etc. zurückgreifen kann. Das Lebensumfeld ist so zumindest etwaigen Gutachtern und Ärzten auch bekannt, und zwar sowohl was die Befähigung der Eltern angeht als auch der Fernseh-, Computer- und Spielekonsum innerhalb der Familie. Die Angaben zum Lebensumfeld sind zwar freiwillig aber wer nichts zu verbergen hat oder die Bedeutung dieser Fragen falsch einschätzt, macht sie gutwillig oder arglos.

Früher einmal gab es eine Zeit, da haben Menschen gegen den Mikrozensus auf der Straße gestritten, sich verweigert und demonstriert. Mithilfe der Einschulungsuntersuchung und ihres Fragebogens, der auf den ersten Blick einen so vernünftigen Eindruck erweckt, wird der Mensch auf seine soziale Rolle festgelegt. Es widerspricht sämtlicher Lebenserfahrung, dass Daten, die ein Mensch jemals abgeliefert hat, auf Dauer anonym bleiben werden. Ein falscher Klick, eine undichte Stelle, ein Mitarbeiter, dem der Kragen platzt, oder auch der Zufall spielt mit und alle Daten eines Menschen sind in der Welt, ausbeutbar von Schule, Ärzten, Krankenkassen, Arbeitgebern und Gegnern.

Wir tun uns keinen Gefallen mit allzu großem behördlichem Einsatz zum Wohle des Kindes. Wichtiger ist es, Familien zu fördern, damit sie im Interesse ihrer Kinder Zuständigkeitskompetenzen im Bildungs- und Sozialbereich nutzen können.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski