Willst Du etwas gelten, mach dich selten. Meine Güte! Ein Sprichwort, dass ins Herz trifft. Selten machen, wo doch unsere ganze vernetzte Welt darauf angelegt ist, sich sichtbar zu machen? Und auch ich, indem ich blogge, mache mich sichtbar. Ein Sprichwort, das auf den ersten Blick den Zeitgeist nicht mehr zu entsprechen scheint.
Und doch, wir ahnen es. Auch an diesem Sprichwort ist viel Richtiges dran. Derjenige, der sich stets präsentiert, ob im Internet oder in einer Talkshow, langweilt, wirkt aufdringlich. Wenn wir uns daran erinnern dürfen, dass wir jemanden schon lange nicht mehr gesehen haben, entsteht Freude an dem plötzlichen Wiederauftauchen dieser vermissten Persönlichkeit. Die stete Selbstvergewisserung durch Präsenz ist nicht nur anstrengend, sondern aus Empfängersicht uninteressant.
Was sollte sich in wenigen Stunden und Minuten geändert haben, welch Gedanke oder welches Gefühl oder welche Pose ist denn meganeu? Wer zu viel Präsenz zeigt, macht sich zudem verdächtig, dass er nichts wirklich anderes Wichtiges zu tun habe, psychische narzisstische Probleme ihn plagten und Verlustängste. Wer möchte schon in diesen Verdacht geraten. Sprichwörter haben oft einen richtigen Kern. Beherzigen wir sie also, wenn wir durch sie berührt werden.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski