Besserwisserei

Das Zitat „Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um.“ wird Ernst Bloch zugeschrieben. Wir ziehen Bilanz: Manche scheitern im Leben, vieles geht schief. Dies wird insbesondere erfahrbar, wenn man experimentiert hat, sei es mit einem Gedanken oder scheinbaren Handlungsoptionen. Bei der Bewältigung derartiger Krisen kann Selbstkritik und auch diejenige Anderer sehr hilfreich sein, um einen Neustart zu ermöglichen. Im Zuge eines solchen Prozesses begegnet man allerdings nicht selten Zeitgenossen, die sich als Echo jeder denkbaren Kritik gebärden. Es sind die Besserwisser.

Sie ahnen schon, was alles falsch laufen könnte und veröffentlichen ihr Wissen natürlich insbesondere dann, wenn etwas falsch gelaufen ist. Besserwisser sind Lebensbegleiter, deren Ziel darin zu bestehen scheint, nicht nur jede Initiative zu lähmen, bevor sie startet, sondern dem Handelnden auch die kausale Schuld dafür zuzuweisen, dass er sich bewegt hat. Besserwisserei kann auf Erprobungen verzichten, sie lebt von der Immanenz der einzig richtigen Betrachtung eines Sachverhalts. Da die Besserwisserei zeitlich ungebunden ist, entzieht sie sich auch jeder Widerlegbarkeit. Der Beweis des Gegenteils ist ausgeschlossen. Der einzige Ausweg: Besserwisser ignorieren und selbst denken und machen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski