Archiv für den Monat: Mai 2016

Leistungsansparkasse oder Generationenbank

Das Sparkassenbuch. Welch ein Segen für Kinder und die ganzen Familien in der Nachkriegszeit. Von den Paten gab es bereits zur Taufe 5,00 Mark. Zur Einschulung legte die Sparkasse selbst noch 5,00 Mark dazu. Das Buch versprach Zinsen und Verfügbarkeit des eingezahlten Geldes, wann immer man dieses im Laufe seines Lebens brauchen sollte. Das Kapital wuchs und damit auch die Möglichkeiten des Inhabers eines solchen Buches. Jederzeit, im Alter oder bei Krankheit, waren die Guthaben verfügbar. Und heute? Kaum einer erinnert sich mehr an das gute alte Sparbuch. Zinsen würden die Guthaben nicht mehr tragen und auch die Banken besorgen sich ihre Finanzmittel lieber bei der Bundesbank als bei den Sparkassen. Also, Sparkassenbuch ade? Nein, nicht ganz. Das Sparkassenbuch könnte an neuer Bedeutung gewinnen, und zwar auf eine Art und Weise, die nicht auf den ersten Blick mit Geld zu tun hat, aber auf den zweiten Blick schon, denn Geld ist nach der Version von Karl Marx geronnene Arbeit. Sicher ist dieser Aspekt des Geldes beachtenswert, denn jede Leistung eines Menschen drückt sich in seinem Tauschwert und im Vertrauen auf dieses Verhältnis in Geld aus.

Ist die Leistung des Menschen Geld wert, darf auch der Zusammenhang zwischen der Leistung des Menschen und einem Sparkassenbuch ohne Hinderungsgründe geschaffen werden. Es geht darum, die Leistung eines Menschen auf seinem Leistungssparkassenbuch bei der Generationenbank einzuzahlen.

Um welche Qualität von Leistung handelt es sich dabei? Es geht um die Leistung, die ein Mensch für andere erbringt, sei es in der Kinder-, Schul- oder Altenpflege. Seine Aufwendungen an Zuwendung werden in einer Quittung vermerkt und zur Bestätigung im Sparkassenbuch eingetragen. Braucht die junge Familie Hilfe oder ist der Pflegedienst erforderlich, kann die eigene erbrachte Leistung wieder abgerufen werden und so fort. Das Kontingent der abrufbaren Leistungen ergibt sich aus den Einzahlungen bzw. aus dem Umfang der eigenen Bereitschaft, Leistungen zu erbringen.

Diejenigen, die ihre Ansparungen an Altersversorgung, Pflege und/oder Wohnen in Mehrgenerationenhäusern nicht abrufen können oder wollen, sind nicht gehindert, sich den von ihnen erbrachten Leistungsvorteil auch in Geld zum Zeitwert auszahlen zu lassen. Diese finanziellen Leistungsbeiträge werden von denjenigen erbracht, die ihrerseits nicht leistungsfähig oder leistungsbereit sind, was die eigenen körperlichen Einsätze anbetrifft, aber die Vorteile der Generationenbank dennoch wahrnehmen möchte.

Jedes Bankensystem beruht auf Vertrauen. Diese Generationenbank profitiert einerseits von der Bereitschaft vieler Menschen, Leistungen zu erbringen und dabei auch noch Freude zu empfinden, andererseits davon, dass auch künftige Generationen in ihrer Leistungsbereitschaft nicht nachlassen werden. Die Leistungen, die Menschen heute oft freiwillig erbringen, werden nicht hinreichend vermerkt bzw. empfinden Menschen die Ungerechtigkeit, die darin besteht, dass trotz ihres enormen Einsatzes sie im Falle eigener Ansprüche nicht unbedingt solidarische Hilfe erfahren, wenn sie nicht über die notwendigen Einsatzmittel, d. h. Geld verfügen. Hier schließt die Generationenbank nicht nur eine Lücke, sondern bringt Akteure aller Generationen zusammen, die im kalkulierten Eigeninteresse sich darauf einlassen, anderen zu helfen und von dieser Hilfe irgendwann zu profitieren.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Besserwisserei

Das Zitat „Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um.“ wird Ernst Bloch zugeschrieben. Wir ziehen Bilanz: Manche scheitern im Leben, vieles geht schief. Dies wird insbesondere erfahrbar, wenn man experimentiert hat, sei es mit einem Gedanken oder scheinbaren Handlungsoptionen. Bei der Bewältigung derartiger Krisen kann Selbstkritik und auch diejenige Anderer sehr hilfreich sein, um einen Neustart zu ermöglichen. Im Zuge eines solchen Prozesses begegnet man allerdings nicht selten Zeitgenossen, die sich als Echo jeder denkbaren Kritik gebärden. Es sind die Besserwisser.

Sie ahnen schon, was alles falsch laufen könnte und veröffentlichen ihr Wissen natürlich insbesondere dann, wenn etwas falsch gelaufen ist. Besserwisser sind Lebensbegleiter, deren Ziel darin zu bestehen scheint, nicht nur jede Initiative zu lähmen, bevor sie startet, sondern dem Handelnden auch die kausale Schuld dafür zuzuweisen, dass er sich bewegt hat. Besserwisserei kann auf Erprobungen verzichten, sie lebt von der Immanenz der einzig richtigen Betrachtung eines Sachverhalts. Da die Besserwisserei zeitlich ungebunden ist, entzieht sie sich auch jeder Widerlegbarkeit. Der Beweis des Gegenteils ist ausgeschlossen. Der einzige Ausweg: Besserwisser ignorieren und selbst denken und machen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski