Im Winter bei klirrender Kälte holt man sich leicht eine rote Nase. Rote Nasen haben auch Zirkusclowns, während sie ihre Späße machen und Menschen zum Lachen bringen. Dies bedenkend, hat sich eine Rote-Nasen-Bewegung entwickelt, die kranken Kindern dabei hilft, ihren Zustand zu akzeptieren, aber sich auch durch ein Lachen über die Späße eines Clowns zu entlasten. Dieselbe Hilfe erfahren nun auch Flüchtlingskinder.
Professionelle Clowns bringen Flüchtlinge zum Lachen, sozusagen als Hilfestellung bei der Integration und entlastend nach all den erlittenen Furchtbarkeiten von Krieg und Vertreibung. Rote-Nasen-Clowns kosten aber Geld und die hierfür erforderlichen Spenden müssen aufgetrieben werden. Großspender sind eher die Ausnahme, deshalb werden junge Menschen, Schüler und Studenten zumeist, im Fundraising ausgebildet, um gegen eine Beteiligungsquote für sich selbst, Passanten auf der Straße dafür zu gewinnen, der Roten-Nasen-Organisation zu spenden, steuermindern versteht sich.
Die Fundraising-Rekruten, ob Rote Nasen, Greenpeace oder andere Organisationen bevölkern nun Straßen und Plätze, Rote Nasen leicht zu erkennen an den Roten Schaumstoffbällchen auf der Nase. Sie sehen einen, stürzen auf einen zu, gestikulieren wild mit den Armen und rufen zum Beispiel „Hallo, einmal stehenbleiben!“. Das Hallo bedeutet ganz offensichtlich, ich soll auf den Fundraiser aufmerksam werden. Die Infinitivform: „Einmal stehenbleiben!“ klingt da schon etwas nach einem Befehl und dem Hinweis, dass man als Nichtstehenbleiber auf jeden Fall einen Fehler macht. Sollte der so Angesprochene weitergehen, trägt er die ganze Last seines Versagens mit dem Nachruf: „Einen schönen Tag noch!“.
Aber, bevor es soweit kommt, vergehen weitere Sekunden, in deren Verlauf man erkennt, dass der Fundraiser, der ganz selbstverständlich die Situation beherrschen gedenkt, keinerlei Verständnis dafür aufbringt, dass man selbst entweder nur weitergehen möchte, beschleunigt ein Ziel ansteuert oder auch gar keine Lust hat, angesprochen zu werden. Wie weigert man sich aber? Vielleicht mit einem Nein, Kopfschütteln oder „Lass mich in Ruhe!“? Alles falsch. Es gibt kein Entrinnen, zumindest kein verbales. Manch auch halblaut hinterhergezischtes Wort hallt nach und vergällt dem Weitergehenden zumindest ein paar Minuten des Tages die Laune, wie: Arschloch, Geizhals, Spießer oder ….
Dabei denkt der eine oder andere gerade damit Bedachte daran, wie viel er ganz freiwillig für die ihm nahestehende Organisationen geleistet hat und auch künftig zu leisten bereit ist. Natürlich sieht ihm auch keiner an, dass er sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe oder in Sportvereinen oder in der Kirche beschäftigt. Schade. Aber die jungen Fundraiser sollten dies in Erwägung und bei ihrem Engagement weniger an sich und ihren Erfolg denken.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski