In sich selbst verreisen, geht das? Was ist damit gemeint? In der Regel reisen wir gerne, erkunden auch fremde Länder, fremde Kontinente. Was sollte uns dann daran hindern, uns selbst zu bereisen, uns selbst kennenzulernen? Warum sollten wir dies aber tun, da wir uns in der Regel nicht als fremd empfinden, sondern als bekannt und jederzeit für uns selbst zugänglich. Wir erfahren über Umwege, dass die Selbstwahrnehmung nicht mit der übereinstimmt, wie andere uns wahrnehmen. Wir sind daher dazu geneigt, uns zu erklären, anderen es so zu vermitteln, als seien wir mit uns selbst eins. Wir können damit einigermaßen gut leben, denn jeder behauptet von sich, das Eine, das Andere werde unterschlagen.
Kann ich mich denn aber selbst kennenlernen, um mehr über mich zu erfahren und dadurch zu verhindern, dass ich mir meiner überhaupt nicht sicher bin? Ja, das geht. Ich bin in der Lage, in mich selbst zu verreisen, in jeden Teil meines Körpers, um mit Schmerzen und Krankheiten zu sprechen, sie kennenzulernen und Hilfe anzubieten, wo es erforderlich ist.
Wie ich meinen Körper bereisen und inspizieren kann, kann ich dies auch mit meinen Gedanken und Gefühlen handhaben, sie auch als Fremder betrachten, kennenlernen, Erfahrungen sammeln und Entscheidungen treffen. Dieser Prozess kann bewusst gestaltet werden, ohne stete Selbstvergewisserung, denn unser Geist ist ständig bei der Arbeit, ob wir dies wahrnehmen oder nicht. Wenn wir darauf vertrauen, lohnen sich unsere Reisen zu uns selbst. Wir lernen aufregende Neuigkeiten kennen und können uns schließlich unserer Identität versichern.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski