Bananenrepublik

Es wäre ein grotesker Fehler, Trump mit Putin, Erdogan oder irgendeinem Fürsten einer Bananenrepublik zu vergleichen. Die Genannten sind bis auf Trump Machtpolitiker, die ausschließlich ihre Vorteile im Visier haben. Das ist ein bekanntes Phänomen und begleitet uns durch die ganze Menschheitsgeschichte. Trump kommt es nicht auf die Macht, sondern auf die Wirkung an. Sein Ego lässt es nur zu, dass er bewundert und anerkannt wird und niemand den Finger hebt und sagt: You are fired.

Anders bei den Traditionalisten unter den Populisten. Sie nutzen gesellschaftliche Trends, um ihre Machtansprüche zu befriedigen und zu ihrer politischen Bedeutung und ihrem wirtschaftlichen Wohlstand beizutragen. Indem man den Gegner definiert, ihn als Feind oder Hassfigur stilisiert, funktioniert diese Vorgehensweise bisher recht gut. Doch Trump zeigt, dass dies veraltet und nicht mehr zeitgemäß ist. Er und seinesgleichen erwarten mehr: emotionales Engagement statt politisches Kalkül, Entertainment statt nationalistisch ernst gemeinte Parolen.

Die Traditionalisten unter den Populisten sind immer noch versucht, die Welt glauben zu machen, sie gehörten der gleichen politischen Kaste an. Ihre Lügen sind nicht subversiv, sondern konstruktiv, um politischen Konsens dort vorzuspielen, wo er schon längst nicht mehr vorhanden ist. Die politischen Überlebenschancen solcher Populisten sind außerordentlich gering. Zwar leugnen sie das Faktische auch, aber sie leugnen ferner, überhaupt irgendetwas gesellschaftsfeindliches im Schilde zu führen. Sie gebärden sich als harmlos.

Trump tut das nicht. Er bestätigt jede Gemeinheit gegenüber Andersdenkenden, Frauen, Ausländern, allen Menschen, die nicht bereit sind, mit ihm zu kooperieren. Eigentlich müssten sich Putin und Erdogan gegen einen solchen opportunistischen Usurpator verschwören, wenn sie nicht klanglos untergehen wollen. Wahrscheinlich haben sie Angst vor der ungreifbaren Komik.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski