Die Gedanken dieses Titans der Philosophie übersteigen selbstverständlich mein bescheidenes Beurteilungsvermögen. Ich will mich daher auch nicht, um meine Unfähigkeiten zu kaschieren, an seinem Antisemitismus und seiner potentiell völkischen Gesinnung abarbeiten. Er war unbestreitbar ein großer Denker und hat der Philosophie Wunder der Wahrnehmung beschert.
Sein phänomenologischer Ansatz das Sein vom Seienden her sozusagen als triviales Grunderlebnis zu beschreiben und dabei einen Wahrnehmungskosmos zu eröffnen, ist wahrlich „herzbebend“. Ich weiß aber nicht, ob die Aufgabe des Idealen aus der Sicht seines Lehrmeisters Husserl ihn Seinswahrnehmungen erfahren lässt, die man insgesamt als komplett bezeichnen sollte.
Wenn das „Zuhandene“ zerbricht und damit das bloße „Vorhandensein“ verdeutlich, beginnt doch der „Seiende“ sofort wieder damit, das „Zuhandensein“ zu komplettieren und es nicht beim Zustand des „Vorhandenseins“ zu belassen. Unser Bewusstsein gibt sich als Gegenstand des Gebrauchs erst dann geschlagenen, wenn nichts mehr zu machen ist. Anderenfalls komplettiert unser Bewusstsein stets Vorhandenes und schafft dadurch wieder Gebräuchliches.
Diese perpetuelle Sinnschaffung ist nicht in Dingen an sich begründet, sondern in uns. Selbst wenn wir scheitern sollten, sehen wir bei Dingen des Gebrauchs mehr als das Vorhandene. Die Vorstellung dominiert letztlich doch das Sein, zumindest aus unserer Sicht.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski