Influenzer

Führe uns nicht in Versuchung … So murmeln die Christen aller Welt diese Stelle aus dem „Vater Unser“. Noch tun sie dies, allerdings ist ein großer Streit darüber entbrannt, ob diese Stelle aus dem Gebet noch akzeptabel ist. Es gibt die starke Meinung, dass nicht Gott uns in Versuchung führt, sondern Satan. Aber, was wissen wir denn schon von Gott, um zu glauben, dass der Vater im Himmel davon absehen sollte, uns herauszufordern, Prüfungen der Versuchung zu bestehen? Satan will uns vielleicht verderben, aber Gott will, dass wir der Versuchung, Böses zu tun, widerstehen.

Das Alte Testament enthält eine Ansammlung von Prüfungen, die Gott dem Menschen auferlegt, ihn also in Versuchung führt, gegen die göttlichen Gebote zu verstoßen. Gott und Teufel sind Influenzer, aber mit ganz unterschiedlichen Zielrichtungen. Beide aber wollen wissen, wie wir uns entscheiden, wenn wir ihre Angebote erhalten, sie um uns werben. Geschieht es nach Opportunität, nach Lust oder Bequemlichkeit? Wollen wir uns weiter bereichern, vermeintliche Ansprüche realisieren oder uns wehren und auf Vorteile verzichten?

Die von Gott und Teufel gestellten Fragen mögen ähnlich sein und uns in der Werbung, im menschlichen Zusammenleben und auch in Zwiegesprächen mit uns selbst immer wieder begegnen. In welchem Zusammenhang auch immer, wir werden dabei auf die Probe gestellt und müssen wählen. Entscheidungen zu treffen, das fällt uns Menschen schwer, vielmehr lassen wir lieber die Dinge auf uns zukommen, erlauben uns zu verführen durch Passivität. Später heißt es dann, dass man ja nichts dafür könne und man sei halt verführt worden.

Alles Ausreden, die keinen Bestand haben, weder vor Gott, noch den Menschen und auch nicht vor uns selbst. Wir müssen der Versuchung widerstehen, ob diese göttlich oder teuflisch daherkommen mag. Auch als verführbare Menschen haben wir eigene Verantwortung für das sich einstellende Ergebnis, ganz gleich, ob dieses gut oder schlecht ist.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski