The Day after

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Die Politiker sortieren ihr Warenlager, verramschen Restbestände und sind dabei, Strategien für neue Produkte zu entwickeln und die Umstände von Angebot und Nachfrage dem neu analysierten Markt anzupassen. Alles ist dennoch wie immer. Neue Kartelle werden gebildet, Preise ausgekundschaftet und neue Vertriebsstrategien eröffnet.

Wir alle wissen, dass Wahlen notwendige Katastrophen sind, um politische Veränderungen zu schaffen und dass sie reinigende Effekte haben. Wahlen können politische Parteien in die Pleite führen, aber wir wissen, dass jede Insolvenz einen das Anliegen stärkenden Charakter aufweisen kann. So kann eigentlich jede Partei froh sein, wenn sie die Insolvenz ereilt. Jetzt weiß sie endlich, was sie besser machen kann und sollte.

Ohnehin interessiert man sich am Tag nach der Wahl nicht für das bis dahin propagierte politische Produkt, sondern nur für die politischen Täter, diese Wetterfrösche, Deichgrafen und Langohren, sie werden vor mediale Gerichte gezerrt und beschuldigt, nicht aufmerksam genug gewesen zu sein, um den Bürger an seiner skurrilen Wahlentscheidung gehindert zu haben. Vor der Wahl lagen sie schon auf der Lauer, die Macher für die Zeit danach. Sie liquidieren das Unternehmen, kehren den Scherbenhaufen zusammen und verkünden, dass sie schon mit Schlimmerem fertiggeworden seien, als mit dieser Wahl.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski