Kryptografie

Es wird von den unendlichen Möglichkeiten geredet, menschliche Gehirne miteinander zu verknüpfen, Gedankenaustausch ohne jede Mündlichkeit und Schriftlichkeit zu pflegen, mit Computern direkt zu kommunizieren und Quantencomputer zu nutzen, die statt Bits and Bytes mit Qubits hantieren, das heißt, nicht nur die Impulse 1 und 2, sondern auch alle Grautöne der Kommunikation zulassen.

So wie von einigen Menschen von der Zukunft aller Möglichkeiten geschwärmt wird, beklagen andere drohende Kontrollverluste, befürchten Brainhacking und schwören auf eine quantensichere Kryptografie. Was ist denn los da draußen und in uns selbst? Alles wirkt entfesselt und die einzige noch verschlossene Türe zu allen Möglichkeiten scheint noch die Zeit zu sein. Der direkte Austausch zwischen Gedankenträgern soll es erst in etwa 50 Jahren geben, also kein Grund zur Beunruhigung? Ich denke doch.

Für den Menschen ist es in seiner DNA verankert, dass er alles erforscht, ausprobiert und versucht, auch umzusetzen. Es geht aber mit der Zeit etwas verloren, was ich für wichtig erachte, und zwar den Anlass allen Strebens nach Fortschritt. Es kann kein verlässlicher Grund für alle unsere Bemühungen geben, das menschliche Gehirn zu verändern, zu optimieren und zu quantifizieren, obwohl zum Beispiel die Chinesen keinen Skrupel haben, dies aus staatlichen Eigeninteressen zu verfolgen.

Das Eingreifen in unser Bewusstsein durch Reduktions- und Sublimierungstechnologien, Beseitigung störender Gedanken und Anreicherung von Nützlichem und Stärkung der Logik stellt keinen Fortschritt dar, wenn wir nicht wissen, was Grund oder Ziel dieses Strebens ist.

Stört uns die Vielfältigkeit menschlicher Gedanken, das Unbekannte und Gefährliche? Müssen wir den Körper des Menschen beseitigen, der als anfälliger Träger menschlicher Unberechenbarkeit gilt? Was soll eine menschliche Gesellschaft noch leisten, in der die menschliche Einzigartigkeit nur noch eine ungeordnete Rolle spielt?

Um den Anfängen eines Zugriffs auf unser Ich Paroli zu bieten, müssen wir bereit sein, uns zu verschlüsseln, und zwar schon jetzt. Dazu gehört, sich Medien zu verweigern, die uns ausspähen, unsere Gewohnheiten kennenlernen, uns befragen, kopieren und unsere scheinbaren Bedürfnisse kreieren. Wir sollten den digitalen Medien nicht alles verraten, sondern das Kostbarste verschlüsselt halten, unser Wesen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski