Copy and paste

Die Deutschen sind ein Volk der Dichter und Denker. Diese Auffassung ist mannigfaltig wiedergegeben worden. Sie soll uns zu etwas Besonderem machen. Besonders war auch schon unser Gemüt und unsere Sprache. Unsere Sprache war einmal Weltsprache und angeblich auch knapp davor, eine bestimmende Sprache in den USA zu werden. Nun gibt es Cassandra-Rufe.

Die deutsche Sprache ist am Aussterben. Schon verblüffend, wenn man bedenkt, dass andererseits hart daran gearbeitet wird, u. a. durch Weiblichkeitsformen in allen Bereichen die deutsche Sprache auszuweiten und durch Zusatzworte kompatibel auch für andere Sprachen zu machen. Und dennoch: nicht Englisch, aber Amerikanisch soll wohl die Sprache der Zukunft sein. In weltoffenen, aufgeklärten Städten wie Berlin kommunizieren junge Menschen nur noch in Amerikanisch miteinander, obwohl sie in Schwaben, Bayern oder Sachsen geboren wurden.

Ganz toll, alle mit Vornamen anzusprechen und sich Deutsch und Distanz nur noch für die Familie aufzubewahren. Mit der amerikanischen Sprache verbindet sich auch die amerikanische Lebensart und dabei denke ich nicht an die vordergründigen Symbole, die uns einen, sondern an das, was uns trennt. Was uns trennt, sind geschichtliche Erfahrungen, das Denken in philosophischen Zusammenhängen, Musik, Literatur und Gemüt. Wir sind nicht oberflächlich verschieden, aber in unserem Wesen.

Es ist einfach, die Amerikaner zu imitieren und dann auch stark zu wirken und die Attitüden von Silicon Valley zu übernehmen. Aber, welche Perspektiven für unser eigenes Leben können wir davon ableiten, wenn wir eigentlich anders sind? Ich denke keine. Wir müssen, anstatt nachzuahmen, uns auf eigene Fähigkeiten, eigene Stärken und Möglichkeiten besinnen und diese der Welt anbieten. Die Chinesen tun dies und wir können das auch. Wir können uns innerhalb des Kulturraums dabei auch bei den Franzosen, den Italienern und Engländern sowie den Spaniern unterhaken. Wir haben gemeinsame Geschichte und Erfahrungen. Auch mit Polen und Ungarn ist das so, selbst mit Russland.

Aber, Amerika nicht nur als Freund, sondern auch als kulturelle Führungsmacht zu begreifen, das geht zu weit. Allein die amerikanische Sprache zu übernehmen, macht uns weder stark, noch zu Amerikanern, sondern allenfalls zu einer amerikanischen Kolonie. Ich mag die Amerikaner, spreche recht gut amerikanisch, aber will es weder in Deutschland tun, noch Amerikaner sein. Ich bin deutsch und verzichte gerne auf Anpassung.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski