Trost

Bist du denn noch bei Trost? Bei dieser irritierenden Ansprache spielt der Begriff Trost zwar auch eine Rolle, aber eher in der Form der Entrüstung. Ein Mensch, der so angezählt wird, erfährt keine Zuwendung, sondern gerade diese wird ihm entzogen. Dabei könnte doch der auslösende Moment des Unverständnisses trostbedürftig sein.

Ein Mensch benötigt oft dann Trost, wenn der Grund des Kummers nicht augenscheinlich ist, überhaupt nicht geäußert wird und auch nicht geäußert werden kann. Trost ist nicht ein Signal des Einverständnisses, sondern des Verständnisses. Eine Zusicherung, dass das Geschehen nicht beseitigt, aber überwunden werden kann. Trost fühlt mit, aber bleibt auf Distanz.

Zuwendung überschreitet die vom Trost gezogene Linie und mischt sich ein. Der sich einem anderen zuwendende Mensch begreift das Anliegen in seiner ganzen Dimension und bietet Hilfe zur Überwindung schwieriger Zustände an. Der Zuwender wird Pate des Zuwendungsempfängers. Er hat eine Aufgabe übernommen, die erst dann endet, wenn der Zuwendungsempfänger selbst bereit ist, auf diese zu verzichten. Trost benötigt er dazu nicht.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski