Rechts-TÜV – rechtliche Unwucht, Rechtszertifizierung, Teil 4

Bei Gericht ist mir oft aufgefallen, dass Prozessbeteiligte fast mit Tränen in den Augen an ihrer Rechtsauffassung festhielten und nicht glauben wollten, dass andere Prozessbeteiligte oder der Richter eine andere Sicht auf den Sachverhalt haben. Diese Prozessbeteiligten bzw. Gegner mögen falsch liegen, aber dennoch sind sie nicht nur aus Rechtsopportunismus, sondern aus tiefer Überzeugung davon geleitet, dass der Fall nur in ihrem Sinne gelöst werden könne. Das Judiz benötigt daher, um seinen sinnvollen Nutzen beweisen zu können, eine stete Spiegelung in einer Rechtsordnung, die systemisch aufgebaut ist und nicht durch das Judiz zur Disposition gestellt wird.

Diese knisternde Korrespondenz zwischen Judiz und der Objektivität des Rechts, deren Scheinbarkeit ein weiterer Untersuchungsgegenstand sein wird, schafft das Vertrauen des Menschen in die Rechtsordnung. Denn durch das Judiz, das Rechtsgefühl und das Rechtsbewusstsein ist der Mensch primär am Rechtsgeschehen beteiligt. Wenige Menschen kennen sich mit Gesetzen, Urteilen überhaupt dem ganzen Justizapparat aus. Sie sind auf einen Rechts-TÜV angewiesen, um im täglichen Leben ihre Sicherheit im Umgang mit anderen Menschen und Institutionen zu behaupten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski