Superlative

„Das ist wirklich wahnsinnig nett von Ihnen, dass Sie dies schreiben.“ Ich bin mir nicht sicher, ob die Menschen überhaupt noch mitbekommen, wie ihre Sprache inzwischen mit Superlativen durchsetzt ist. Ich glaube, die meisten Menschen haben sich daran gewöhnt und nehmen diesen Zustand einfach hin oder nutzen selbst die Möglichkeit, ihrer Aussage eine besondere Bedeutung beizumessen, wohlwissend, dass diese Bedarfssteigerung vom Empfänger als korrekt und selbstverständlich angesehen wird. Nichts ist kaum mehr schön, nett oder gut, ohne, dass es durch das Attribut wahnsinnig verstärkt wird.

Das Wort „wahnsinnig“, dass entweder vermitteln soll, dass ich selbst wahnsinnig bin oder meinen Gesprächspartner wahnsinnig machen möchte oder erwarte, dass er von selbst wahnsinnig wird, wenn er meine Botschaft empfängt, durchschreitet offenbar unterschiedliche Bedeutungshöfe, um schließlich aber doch nur auszudrücken, dass etwas nett oder schön ist. Wenn man sich allerdings wahnsinnig freut, ist es schon nahe eines Zustandes, der nach einer psychiatrischen Betreuung ruft. Das ist aber nicht gemeint.

Ich will nur sagen, dass ich mich freue, und zwar richtig, also nicht nur so tue, als würde ich mich freuen. Damit wird ein weiterer Aspekt der Superlative deutlich: Ich als Verwender will von vornherein Zweifel an meiner Aufrichtigkeit und der Ernsthaftigkeit meiner Freude ausschließen. Da die Freude allerdings auch riesig oder zum Beispiel mega sein kann, werden stets neue oder andere Superlative benötigt, um der Ausdrucksform die erwünschte Endgültigkeit zu verleihen. Superlative sind aber nicht steigerungsfähig. Nur neue Wortschöpfungen können dafür sorgen, dass ich am „optimal-sten“ ausdrücken kann, wie die ungeheure Zahl an Attributen und Adjektiven noch gesteigert werden könnte.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski