Fokussierung

Wie nahe ist uns die Nähe, wie fern das Ferne? Gewinnen wir mehr Übersicht, wenn wir die Dinge aus der Distanz sehen, alles gleichzeitig versuchen zu erfassen und in den Blick zu nehmen?

Oder lohnt es sich, den Blick zunächst auf die Details, also auch auf Kleinigkeiten zu konzentrieren. Wenn wir den Dingen nahe sind, Gelegenheit haben, uns ganz auf wenige Umstände zu fokussieren, besteht die Möglichkeit, dass die dadurch erlaubte Detailprüfung uns mehr vom Ganzen verrät, als der Überblick, der alle Differenzen einebnet. Wir wissen so zum Beispiel, dass der Blick aus dem Weltraum die vielen erdnahen Verwerfungen und Probleme nicht offenbart. Abgesehen von Veränderungen der klimatischen Zonen und Eingriffen in die Substanz unserer Welt, sind aus der Ferne viele Veränderungen nicht zu unterscheiden. Je näher wir den Dingen aber kommen, umso mehr verraten sie von ihrer Wesenheit und auch darüber, dass jedes aufgespürte Detail vom benachbarten Detail abweicht.

Dieses Phänomen verdeutlicht uns, dass wir durch unsere Fokussierung auf das Einzelne erfahren, dass es in seinen Eigenschaften mit der Menge nicht identisch ist, sondern etwas anderes verrät. Die daraus abzuleitende Vielfalt widerspricht der Gewissheit, die Menschen meinen zu haben, wenn sie den Makrokosmos, dem Mikrokosmos prüfend vorziehen und aus ihren Beobachtungen schlussfolgern, dass das, was sie wollen oder beanspruchen, auch geschehen wird.

Das ganze Große geschieht im Kleinen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski