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Verseuchung

Ein Film, den ich vor Kurzem im Fernsehen sah, handelte davon, dass eine junge Frau als erzwungener Drogenkurier unfreiwillig verseucht wurde. Eine Droge, die in einem Plastiksäckchen verpackt, ihr unter die Bauchhaut eingenäht wurde, platzte und setzte einen Stoff frei, der dazu führte, dass Zellen ihres und anderer Körper in schwindelerregendem Tempo miteinander kommunizierten und schließlich ihre kognitiven Fähigkeiten auf 100 % erweiterte. Dann war sie tot und was von ihr blieb, war ein Computerstick.

Eine interessante Parabel des menschlichen Lebens und Scheiterns die hintergründig aufzeigt, dass eine digitale Maschine 100%ige kognitive Leistungsfähigkeit erwerben kann, aber daran nicht scheitern wird. Unsere Zellen dagegen sind dem, was wir heute schon Reizüberflutung nennen, nicht gewachsen. Wir können es nicht sehen, fühlen oder schmecken, aber nicht nur kosmische Strahlen, sondern ein dichtes Netz an Informationen umgibt uns.

Wir können nur hören, was für uns bestimmt ist, nur abrufen über elektronischen Geräte, die Informationen zu entschlüsseln vermögen. Sind die Geräte ausgeschaltet, sind diese Informationen aber nicht weg, sondern und durchgeistern weiterhin alle Zellen unseres Körpers, kommunizieren mit uns jenseits der kognitiven Wahrnehmung. Wir sind verseucht und trauen uns dies nicht einzugestehen. Nirgendwo wird uns eine Möglichkeit gegeben, uns von der Verseuchung zu reinigen. Wir sind den von uns elektronisch ausgelösten Informationen auf Dauer ausgeliefert.

Die elektronischen Impulse sind nicht abhängig von unserer Wahrnehmung, sondern haben unseren Schutzbereich schon seit längerem verlassen und begonnen, den gesamten Weltraum mit Informationen zu verseuchen. Ist das schlimm? Diese Frage stellt sich meines Erachtens nicht mehr, da es keine Frage nachträglicher Einschätzungen sein kann, sondern wir nur noch wahrzunehmen haben, was geschieht. Nichts ist gut daran oder böse. Diese Art der Verseuchung war unabwendbar. Da intelligenten Geräten nunmehr weltweit Informationen zur Verfügung stehen, werden sie sich dieser bedienen und damit eine exklusive Einsicht in unser Leben erlangen, die uns mangels ausreichender kognitiver Fähigkeiten verschlossen bleibt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski