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Surrealismus

Der Surrealismus passt ganz recht zu unserer Zeit. Er war und ist auch noch ein kultureller Kampfbegriff, der allerdings in der Vergangenheit mehr mit der Kunst, als mit dem Leben identifiziert wurde. Das hat sich geändert. Noch erscheint uns vieles real, obwohl wir ahnen, dass hinter dieser Realität eine Art Hyperrealität auf der Lauer liegt, die uns jederzeit unsere Wahrnehmung der Welt, seiner handelnden Personen und Umstände in Frage stellen kann. Wir können auf unser eigenes Urteil genauso wenig mehr vertrauen, wie auf das Urteil anderer, seien diese Politiker, Theologen oder Philosophen. Es zählt der Augenblick, die momentane Einschätzung, die allerdings ebenfalls illusionär sein kann.

Keiner weiß genau, ob die Grundlagen der Einschätzung noch stimmen. In der surrealen Welt ist vieles möglich, dem Traum und der Absurdität verwandt. Das Schöne steht neben dem Schrecklichen, der Nihilismus neben dem Ordnungssinn. Es ist eine Welt der Überraschungen und der Geheimnisse des falschen Strebens und der unerwarteten Erfüllung.

In der surrealen Welt sind alle Handelnden nur vorläufig gemeint, ablösbar jederzeit durch Umstände, deren Ursachen in hypothetischen Annahmen, im realen oder im virtuellen Raum liegen. In der surrealen Welt handeln wir, haben aber keinen Anspruch auf die Folgen unseres Handelns. In der surrealen Welt machen wir Erfahrungen, ohne dass wir daraus einen Wert ableiten dürfen und in der surrealen Welt entkleidet sich unser Leben irgendeines Sinnes, der über den Augenblick der Wahrnehmung hinausweist. It´s cinema, enjoy!

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski