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Ruck

In seiner berühmten Adlon-Rede vom 26.04.1997 hat der damalige Bundespräsident Roman Herzog gefordert, es möge ein Ruck durch Deutschland gehen. Der Ruf ist nicht verhallt, aber die damit zum Ausdruck gebrachte Erwartungshaltung ist sehr groß, manche Menschen überfordert durch eine risikoreiche Verantwortung außerhalb ihres eher doch durch die Umstände eingeschränkten persönlichen Lebensbereichs.

Wir haben daher, als wir die Ruck – Stiftung des Aufbruchs gründeten, darauf gesetzt, durch bescheiden anmutende Impulse, etwas zu verändern, und zwar dann und auch gerade dann, wenn unser Ansatz eigentlich allen Menschen selbstverständlich erscheinen müsste. Wir wollen den Mitbürger durch sein ganzes Leben begleiten und ihn nicht nur auf Alternativen zu seinem bisherigen Verhalten aufmerksam machen, sondern diese ihm auch anbieten. Er mag entscheiden, ob er das Angebot annimmt, weil es ihn überzeugt.

Ich will das an einem unserer Angebote verdeutlichen: „Elternbildung schafft Kinderbildung“ Wir bieten ergänzende Elternbildung in Familienzentren und geburtsvorbereitenden Einrichtungen an, indem wir durch Singen und die Vermittlung des Erzählens von Fantasie- und Familiengeschichten Eltern auf ihr Kind vorbereiten und sie dafür gewinnen wollen, selbst wieder das Erlernte an ihre Kinder weiterzugeben. Das schafft Stolz, Selbstbewusstsein und familiären Zusammenhalt. Das Sprachvermögen der Kinder wird gefördert und auch soziale Communities geschaffen, in denen die Kurse stattfinden und nach unserer Erfahrung bleibende menschliche Verbindungen schaffen.

Wir erreichen die Eltern durch ergänzende Patenschulungen und sind heute unter anderem auch in Neukölln aktiv, wo wir türkischen Müttern das Singen von deutschen Kinderliedern näherbringen. Wir vermitteln auch Sprachvermögen, Tanz und Bewegung sowie künstlerische Ausdruckskraft in Flüchtlingseinrichtungen. Wir werden nach und nach unsere Angebote erweitern und freuen uns auf die nächste Anregung, die wir erfahren und auch für andere Menschen nutzbar machen können.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Pegida/AfD etc.

Alternativen gibt es immer. Die Frage ist nur, ob und wie wir sie nutzen sollten. Diejenigen, die keine Skrupel haben, am Montagabend in Dresden oder anderen Städten auf die Straße zu gehen und zu behaupten, sie seien das Volk, haben den Schulterschluss mit anderen gefunden. Sie sind dabei Verbündete unterschiedlichster Couleur. Wird es aber auch so bleiben?

Ich glaube nicht. Die Neonazis werden sauer werden, dass ihnen die AfD ihre Show stiehlt. Pegida will eigentlich nicht in die Parlamente, sondern auf der Straße skandieren und skandalisieren. Aber die AfD ist eine Partei. Sie muss in die Parlamente, um für ihre Anhänger glaubwürdig zu bleiben. Sie sind dann schon keine Trojanischen Pferde mehr, sondern die Verantwortlichen der AfD wissen, dass sie die präsenten Wirtsleute der Neonazis, Pegida und alle Dagegenseienden und Verschwörungstheoretiker Deutschlands sind.

Ob dieses Zweckbündnis allen gefallen wird? Wohl kaum. Über eher kurz als lang werden sie streiten, sich gegenseitig zermürben und peu á peu zerlegen. Ob man sich das wünscht oder nicht, ist dabei völlig gleichgültig. Das Verhalten ist typisch deutsch. Darauf kann man sich verlassen. Wir sind ein Volk.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski