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Terror

Wir sind verunsichert. Die Anschläge in Paris. Eine Gruppe, die sich der Islamische Staat nennt, hat den Terror auch bei uns in Europa entfacht. Die Medien berichten, dass die Gruppe organisiert und planvoll vorgehe und durch ihr terroristisches Gehabe die Menschen verunsichern, unser Lebensart und Demokratie beschädigen und überhaupt so viele „Ungläubige“ wie sie treffen können, ermorden wolle. Dabei rufen sie dem Vernehmen nach „Al Akbar, Gott ist groß“ und schießen und sprengen, zuletzt sich selbst. Es wird berichtet, dass ihnen gesagt würde, das Morden sei heldenhaft und bei erfolgreich abgeschlossener Tötungsarbeit kämen sie in den Himmel.

Ich hab meine Zweifel. Wahrscheinlich kommen sie in die Hölle, wenn dies ihrem eigenen religiösen Verständnis entspricht. Es gibt keinen mehrfach geteilten Gott, sondern nur einen Gott, der einem Moslem, einem Juden und einem Christen das Leben geschenkt hat. Jeder Mensch ist in die Welt gekommen, um zu leben, Erfahrungen zu sammeln, sich auszubilden am Leben und zu gehen, wenn er zum Leben in dieser Welt etwas Sinnvolles beigetragen hat. Es ist nicht sinnvoll, anderen Menschen das Leben zu nehmen, sondern Gotteslästerung. Diejenigen, die anderen Menschen das Leben nehmen, maßen sich selbst an, Schöpfer zu sein, und wenn es das Erschaffen von Gewalt und Terror ist. Ob sie an Gott glauben oder nicht, ist dabei offensichtlich völlig gleichgültig. Der Mensch ist aber ein spirituelles Wesen, einmal abgesehen von jeder Körperlichkeit. Die Spiritualität eines Menschen anzugreifen, zerstört auch die Spiritualität des Angreifenden. Er löscht sich damit aus dem Gedächtnis der Welt und des Himmel aus.

Die Mörder, von denen ich spreche, waren alle auch einmal unschuldige Geschöpfe, die im Bauch ihrer Mutter entstanden sind, von dieser gesäugt und umsorgt wurden. Sie sind eingetreten in unsere Gemeinschaft und haben sie wieder verlassen, warum?

Einer der Gründe könnte sein, dass Familien oft verunsichert sind hinsichtlich der Bedeutung, die sie für das Kind haben. Denen möchte ich sagen, dass die Familie und die Geborgenheit in einer Familie von prägender Bedeutung für das Leben eines Kindes sind. Keine Schule, kein Kindergarten oder sonstige Einrichtungen können die frühe Erfahrung der familiären Verbundenheit ersetzen. Die familiären Gespräche, der Austausch über Erfahrungen und Geschichte sind unersetzlich. Computer und Computerspiele bieten keinerlei Ersatz. Sie sind auch nicht zur Liebe fähig.

Jeder Mensch, der auf die Welt kommt, ist voll Tatkraft, und zwar von Anfang an. Ein Mensch, dem keine sinnvolle Beschäftigung geboten wird, sucht sich selbst eine, und zwar dort, wo er Anerkennung erfährt. Der Weg zur Verführung ist daher überhaupt nicht weit, egal ob es sich um eine kriminelle wirtschaftliche Vereinigung oder eine religiöse Gruppierung handelt.

Familien sind in der Pflicht, einander immer wieder neu kennenzulernen, miteinander zu sprechen und die Grundlage zu schaffen für ein sinnerfülltes Leben des Kindes. Die Gesellschaft ist in der Pflicht, jungen Menschen Beschäftigungen zu bieten, in denen sie sich selbst und anderen beweisen können, dass sie wer sind. Wir benötigen eine Anerkennungskultur für junge Menschen. Wir benötigen aber auch diejenigen, die junge Menschen immerwährend daran erinnern, dass das Leben eine schöne Veranstaltung ist, in der sie Gelegenheit haben, sich auszubilden, weltliche und religiöse Erfahrungen zu sammeln, Liebe zu erfahren und Liebe zu geben, damit sie sich als Segen für uns alle erweisen. Jeder hat eine Chance, sich zu prüfen und ob das, was er tut oder getan hat mit seiner Integrität und seiner Spiritualität übereinstimmt. Im Zweifel sollten wir alle nochmals als Suchende beginnen und prüfen, ab und in welchem Umfang wir bereit sind, die Verantwortung für unser Handeln vor Gott und den Menschen zu übernehmen. Al-akbar!

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski