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Unbegrenzt

Die Annahme der Eingrenzung beruht auf der Erfahrung des Menschen, dass alles einen Anfang habe. Das Ende wird dabei von ihm mitgedacht. Geburt und Tod verbürgen die Richtigkeit dieser Annahmen. Sie verschaffen uns auch die existentielle Sicherheit des Daseins inmitten der Begrenztheit.

Was würde es aber für uns bedeuten, wenn dieses „Stirb und Werde“ in der Kosmologie des Seins tatsächlich nur eine untergeordnete Rolle spielte und das Ganze weder einen Anfang noch ein Ende hatte? Warum muss denn etwas anfangen und warum muss etwas zu Ende gehen? Könnte nicht auch alles in allem endlos sein, sich in der Grenzenlosigkeit ergänzen, spiegeln, immer wieder entstehen und untergehen, wobei jegliche Bestimmtheit aufgehoben ist?

Das Ewige, das wir zwar nicht greifen, aber ahnen können, kennt doch weder Anfang noch Ende, ermöglicht alles oder nichts. Der Ewigkeit ist mit keinerlei Berechnung beizukommen, weil eine Totalität, die sich jeglicher Bestimmung entzieht, sich auch nicht begrifflich rechtfertigen lässt.

So mag auch ein pulsierender Weltraum vielleicht keine Vergangenheit und auch keine beschreibbare Zukunft haben, entspricht aber unseren konkreten Erfahrungen und Anschauungen in der jeweiligen Zeit. Diese formen grenzenlos unser Bewusstsein und schaffen die Konkretisierung eines in seinem Wesen unerklärbaren Phänomens allen Seins und Sinnes.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski