Schlagwort-Archive: Anspruchsverhalten

Rendite

Unser Denken wird stark von unserem Anspruchsverhalten bestimmt. Wenn etwas von uns verlangt wird, messen wir unser eigenes Verhalten daran, was es uns bringt. Der Nutzen wird überwiegend finanziell bestimmt. Renditeerwartungen sind der Seismograph unseres Verhaltens. So funktioniert dies im persönlichen Bereich, wie auch im wirtschaftlichen und politischen Raum.

Sollen zum Beispiel Schulen gebaut, Wohnungen errichtet oder sonstige Infrastrukturmaßnahmen geschaffen werden, zunächst geht es immer nur um Geld. Was kostet das und erst nach Schaffung einer finanziellen Übersicht machen sich die Verantwortlichen an das Umsetzen. Unser Gestaltungswille ist vom Geld bestimmt.

Dabei vergessen wir, dass wir nicht nur persönlich, sondern auch in der Gemeinschaft eine Verantwortung tragen und darauf angewiesen sind, dass das Werk gelingt. Es kommt daher nicht auf das Geld, sondern auf den guten Plan und die Wege der Umsetzung, die Partizipation und dann erst auf die Kompensation an. Das Machen kommt vor dem Geld und nicht anders herum.

Mit anderen Worten, nicht das Geld bestimmt das Tun, sondern ist lediglich ein Mittel des Ausgleichs. In den Gemeinschaften, aus denen wir stammen, kam es auch nicht auf die Kompensation, sondern auf die erwartende Verpflichtung des Einzelnen an zu handeln. Stakeholder Value, vor Shareholder Value entsprach common sense in allen archaischen Gemeinschaften. Diejenigen, die stets nur ihre Renditeerwartungen vor Augen haben und nicht vor allem an den sie verpflichtenden Beitrag des Schaffens denken, übersehen, dass sich nur das Werk und nicht das Geld für sie auszahlt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Ethical and Philantropic Solutions (Teil 1)

Unser Grundgesetz manifestiert nicht nur den Abwehranspruch der Bürger gegenüber dem Staat, sondern die Selbstverpflichtung der Bürger, die Gebote des Grundgesetzes in der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Politik auch umzusetzen. Jeder Bürger ist dabei gefordert, sowohl solidarisch, als auch individuell.

Die Gesellschaft, die uns das Grundgesetz vorgibt, ist plural, im Kern achtsam und auf Ausgleich bedacht.

Narzissmus und Selbstsucht sind keine günstigen Merkmale einer Gemeinschaft. Dies genauso wenig wie Habgier und Anspruchsverhalten. Eine Gesellschaft, die die Gemeinschaft fokussiert, findet einfache Antworten auf die Probleme unserer Zeit. Es ist wichtig, der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Politik Denkanstöße zu bieten, und zwar auf bekannten und neuen Handlungsfeldern.

Eine besondere Bedeutung beansprucht dabei die Beschäftigungsmöglichkeit eines Menschen als grundgesetzlich verbürgtes Erhaltungsgebot der menschlichen Würde. Dabei steht das bisher fast ausschließlich kapitalistisch geprägte Beschäftigungsverhältnis auf dem Prüfstand. Dessen Ziel war es, unter Einsatz eigener Arbeitskraft vor allem Geld zu erringen, um dieses zur Deckung von Bedürfnissen einzusetzen. Der Wert der Arbeit drückte sich dabei fast ausschließlich in Geld aus. Ist das weiterhin zielführend und vernünftig? Menschliche Tätigkeit ist weder auf Belohnung noch Entlohnung angewiesen, sondern entspringt dem natürlichen Bedürfnis, etwas zu tun, sich einzubringen in die Gemeinschaft. Geld als Äquivalent für Arbeit ist nach wie vor sinnvoll, aber nicht als Macht- und Anspruchsinstrument. Das Maß des zu Leistenden muss das Bedürfnis eines Menschen sein, sein Leben in Würde zu begehen. Wenn wir dies bedenken, eröffnen sich weitere Betätigungsfelder auch in den Bereichen der „Sharing-Economy“, der Abfallvermeidung, der Ressourcenschonung, der Energie, der Pflege, der Bildung und des Lifestyles, um nur einige Gebiete zu benennen. Es geht dabei auch um die Schaffung einer modernen philanthropischen Industrie, die neue Beschäftigungsformen ermöglicht, Verantwortung von den Menschen einfordert, aber auch vermittelt, dass alles, was wir machen, von Menschen für Menschen gedacht ist.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Zu geben ist gerecht

Zu geben sei besser als zu nehmen, so heißt es gemeinhin im Volksmund. Das ist wohl eine Erziehungsparole, vielleicht auch eine Selbstorientierung aber vor allem an die Adresse anderer Menschen gerichtet.

Was ist nun gerecht? Anspruch, Erwartung oder Zuwendung? Wie kann es gerecht zugehen in einer Welt, die von Habsucht, Neid, Missgunst und Eifersucht geprägt ist? Sicher Klischees! Den Menschen zeichnet auch Empathie und Mitgefühl aus, das Mitleiden und Helfenwollen. Wir Menschen leugnen die raffgierige Seite unseres Wesens nicht aber, statt Scham zu empfinden, verteidigen wir unsere Interessen. Wir freuen uns auch über jeden kläglichen Sieg, den wir davongetragen haben und halten die Schäden, die wir anrichten, nicht für die Rede wert und übertrieben. Denn wie gesagt, es sind nicht alle Menschen so, also kann man die Selbstsüchtigen verkraften.

Als selbstsüchtig bezeichnen wir gemeinhin den, der im Leben weitergekommen ist, Geld hat und sich durchzusetzen vermag. Das ist nicht gerecht, finden diejenigen, die sich zu kurz gekommen fühlen. Das Zu-kurz-gekommen-sein drückt sich aus in einem Anspruchsverhalten, d. h. ich verlange, dass der, der mehr hat als ich, alles – zumindest einen Teil davon – mir gibt. Das halte ich für gerecht. Derjenige, der alles hat, hält auch dies für gerecht, denn der andere oder die Generationen vor ihm hätten sich ja auch bereits um entsprechenden Wohlstand kümmern können. Keiner will den Schalter umlegen, weder bei der Besitzstandswahrung noch im eigenen Anspruchsverhalten. Eine entwicklungsfähige Gesellschaft muss auf Ausgleich bedacht sein. Diejenigen, die über entsprechenden Wohlstand verfügen, glauben gerecht zu sein, weil sie Stiftungen gründen und Not lindern.

Das machen einige und in der Tat, dies ist großartig, reicht aber nicht. Erforderlich ist ein Geben als gesellschaftlicher Prozess, der Entschluss damit aufzuhören, sich auf Kosten anderer zu bereichern, gemeinsam ein interessenorientiertes Miteinander mit anderen zu pflegen, das auf Verständnis, Rücksicht und Teilhaberschaft gegründet ist. In diesem Prozess des Gebens und Nehmens muss aber auch der Nehmende sich anstrengen, die Erwartungen des Gebenden zu befriedigen, mitzumachen am gesellschaftlichen Entwicklungsprozess, anstatt darüber zu jammern, dass es einem nicht selbst so gut ginge, wie anderen. Selbstbewusstsein, Stolz und Rücksichtnahme sind drei zu benennende Eigenschaften, die dazu beitragen könnten, nicht das Nehmen, sondern das Geben als gerecht zu empfinden.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Ferien vom Ich (Teil 1)

Als ich fünfzehn Jahre alt war, fiel mir ein Gedicht von Friedrich Nietzsche in die Hände, das ich zu meinem Lebensmotto machte:

Ja! ich weiß, woher ich stamme!
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr’ ich mich
Licht wird alles, was ich fasse
Kohle alles, was ich lasse
Flamme bin ich sicherlich.

Die Orientierung an diesen Worten entsprang in meinem bisherigen Leben dem Bedürfnis prägend zu sein, fest überzeugt davon, dass wir auf die Welt gekommen sind, um etwas zu tun und nicht in erster Linie etwas zu verlangen. Das Bedürfnis an Orientierung wurde verstärkt durch die Lektüre von Hermann Hesses „Narziss und Goldmund“. Alsbald wollte ich Goldmund sein und war davon überzeugt, dass ich auf einer Sommerwiese geboren wurde.

Das Leben ist schön und in jedem Falle eine Herausforderung. Wir sind geboren worden in der Erwartung unserer Eltern, dass wir etwas schaffen, gegebenenfalls über sie hinauswachsen, Dinge verbessern. Wir sind in der Welt, um in diesen Jahren bewusster Gestaltungsmöglichkeiten alles zu geben.

Jedoch bereits recht früh kommen wir mit etwas anderem in Berührung, und zwar den beengten Verhältnissen, den Schwierigkeiten, vor allem aber den Ansprüchen und den Klagen. Die Schwierigkeiten, unter diesen Umständen Leben zu entwickeln, darf man nicht kleinreden. Das gewöhnliche und außergewöhnliche Anspruchsverhalten und das Klagen vieler Menschen sind differenziert zu sehen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski