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Volkshochschule

Elternbildung schafft Kinderbildung. Damit dies funktioniert, ist Elternbildung unerlässlich. Gemeint ist damit aber kein gebräuchlicher Elternratgeber nach dem Motto: Wie erziehe ich mein Kind richtig? Vielmehr ist es erforderlich, dass auch Eltern sich kontinuierlich aus- und weiterbilden, und zwar jenseits des für das Erwerbsleben erforderlichen Umfangs.

Dafür stehen Volkshochschulen mit einem umfassenden Programm zur Verfügung, auch Arbeitgeber, Ge­werkschaften und sonstige Einrichtungen haben immer schon Bildungsangebote unterbreitet, die allerdings zunehmend weniger in Anspruch genommen werden. Dabei lassen sich nicht nur im analogen, sondern auch im digitalen Bereich Formate für unterschiedliche Bildungsbereiche entwickeln, die im Verhältnis Eltern-Kind unerlässlich sind bei der Bewältigung von schulischen Anforderungen und Weitergabe von kulturellen, sprachlichen und visuellen Angeboten.

Gefordert sind neben den oft kieznah gelegenen Volkshochschulen auch solche, die digitale Angebote kostenfrei oder gegen ein geringes Entgelt allen Menschen unterbreiten und damit Mütter, Väter, aber auch Großeltern erreichen. Korrespondierende Bildung im Volkshochschulbereich vermittelt nicht nur ein belebteres Bild unserer Gesellschaft, sondern gibt Menschen Bewährungschancen, spornt sie an zu mehr Leistung bei der Bildungsvermittlung an ihre Kinder. Dies fördert den familiären Zusammenhalt, stärkt Netzwerke und schafft auch ein gutes Gefühl für alle Beteiligten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Geld (Money, Money)

Bei erster unbefangener Inaugenscheinnahme wirkt das Geld banal. Geld als körperliche Erscheinung ist sogar lächerlich. Künstler, Kupferstecher und Tüftler haben versucht etwas herzustellen, was schwer nachmachbar ist, aber gerade deshalb sehr bieder wirkt. Geldmotive sind niemals zukunftsgewandt, sondern halten die Vergangenheit, zuweilen auch die Gegenwart fest. Geld ist ansonsten Papier, sonst nichts. Selbst die darauf gedruckten Zahlen beinhalten nur uns bekannte Maßeinheiten, die uns, wenn sie nicht in Beziehung zu anderem Geld gesetzt würden, in keiner Weise beschäftigten.

Für jedes Kind endet die Zahlenreihe mit mindestens einer Million und die kommt je nach Entwicklungsstufe sofort nach zehn oder nach hundert. So ist es auch nicht verwunderlich, dass eingezogenes Geld, verbrauchtes Geld oder Inflationsgeld allenfalls Liebhaberwert besitzen, trotz der aufgedruckten Zahlen, die in die Tausende oder sogar Millionen gehen können. In der folgenden Stufe der Betrachtung könnte man die Annahme zugrunde legen, dass Geld geronnene Arbeit sei. Dafür spricht, dass derjenige, der arbeitet in der Regel hierfür einen bestimmten Betrag von seinem Arbeitgeber erhält. Gleichermaßen könnte der Arbeitgeber aber auch Gurken, Bettwäsche oder Brot überlassen und so eine Kompensation für geleistete Arbeit schaffen. Geld erleichtert dem Arbeitgeber lediglich die Mühen einer zeitnahen Kompensation und den Verdruss vor Falschlieferungen. Dem Arbeitnehmer verschafft es zumindest eine gewisse Wahlfreiheit unter den für die Lebenshaltung erforderlichen Gütern.

Es wird so deutlich, dass Geld eine Erscheinung ist, die über seine Existenz hinaus greift. Die Dimension seiner Wirkungen bemisst sich allerdings nicht nach dem aufgedruckten Betrag, sondern nach der Effektivität seines Einsatzes. Das ungeklärte Objekt des Verlangens ist der Maßstab für den Wert des Geldes. Ein einzelner 10-Euro-Schein hat in den Händen eines achtjährigen Kindes eine fast kosmische Bedeutung, in den Händen eines fünfzigjährigen Geschäftsmanns vielleicht die Bedeutung eines großzügigeren Trinkgelds. Die Quantität des Geldes ist daher also völlig unabhängig von seiner grundsätzlichen Bedeutung. Dagegen spricht auch nicht, dass derjenige, der etwas Geld hat, immer mehr haben möchte, sondern dies führt zu der Wesentlichkeit des Geldes. Geld hat mit unserer Angst zu tun. Wie uns bereits die Eltern zeigten, haben wir ab dem Zeitpunkt des Erwachens ständig Angst davor, etwas zu verlieren, und schaffen uns unablässig Kompensationen. Selbst dann, wenn wir unsere Grundversorgung erledigt haben, wollen wir uns schadlos halten, uns trösten. Trost versprechen sowohl Pralinen, als auch aufwendige Ferienreisen. Geld soll trösten. Geld soll vergnügen. Geld soll helfen. Geld ist unser allgegenwärtiger persönlicher Einsatz: Es soll aber in seiner teilnahmslosen Erscheinung vergessen lassen, warum wir es bemühen.

Ein sehr reicher Mensch erzählte einmal davon, dass ihm sein Vater am Sterbebett aufgetragen habe, das Geld der Familie zusammenzuhalten. Dies hat der Sohn Zeit seines Lebens auch gewissenhaft getan und die gleiche Verpflichtung wieder seinen Kindern auferlegt. Warum? Welche Würde, welchen Sinn hatte so das Geld? Offensichtlich verlassen wir uns derart auf dieses Papier, dass selbst Ganoven zwar eine Bank ausrauben aber nie daran denken würden, das Währungssystem insgesamt zu beseitigen. Selbst der Schlechteste von uns leidet meist an der Inflation oder dem Kursverfall an der Börse. Wir haben uns aber für das Geld verschworen. Wir leiden kollektiv an seinem Verfall. Stabilität ist uns schon deshalb besonders wichtig, weil Geld unser Zusammenleben determiniert.

Beglückwünschen wir einerseits den Spekulanten, der an der Börse mit geringem Einsatz erhebliche Gewinne erzielt, bestrafen wir andererseits denjenigen mit dem Entzug unserer Wertschätzung, der nicht mehr in der Lage ist, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Was ist uns daran so wichtig? Die Banken, die Geld verleihen, haben dieses doch auch nicht selbst erarbeitet. Andere haben es getan. Sie selbst haben vielleicht spekuliert oder sich selbst das Geld geliehen. Aber am anderen Ende steht der Schuldner, der nicht zurückzahlen kann, geächtet ist. Ein Wesensmerkmal des Geldes ist aus dieser Sicht weder Kompensation für geleistete Dienste, noch Transportmittel für Daseinsversorgung oder glücklicher Umstand für zusätzlichen Freuden, sondern ein Macht- und Disziplinierungsmittel für unsere Gesellschaft. Geld bedroht. Geld macht reich. Geld schafft Abhängigkeit. Geld korrumpiert. Das mögen emotionale Attitüden sein, Geld selbst ist stur, hartnäckig und völlig teilnahmslos. Die Gleichgültigkeit des Geldes gegenüber unseren Zielen reizt uns, es einzusetzen und daraus für uns Gewinn zu schlagen und andere in Schach zu halten. Geld ist Waffe und Schild in einer Gesellschaft, die anders auf die Jagd geht als mit Keulen und Speeren. Da wir alle so sind und alle so denken, fällt uns die Tarnung nicht schwer, wenn wir täglich schwer bewaffnet ins Feld ziehen, unsere Anschläge verüben, unsere Söldner belohnen und am Abend unsere Siege feiern.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski