Wir bilden uns ein, dass alles beherrschbar sei, menschlicher Geist und seine Emotionen alles vermögen. Deshalb glauben wir auch an den kontrollierbaren Wahnsinn. Wir meinen, dass wir Kriege führen können, die beherrschbar sind. Der Einzelne soll in der Lage sein, sich zu kontrollieren, d. h. das in ihm Freigesetzte soll im Rahmen der Gesetze, z. B. von Landkriegsordnungen und dergleichen kontrolliert werden. Dies ist ein Irrglaube, denn der Einzelne ist aufgrund seines archaischen Grundmusters im Falle seiner Entfesselung nicht mehr in der Lage, sich an Gesetze und Verordnungen zu halten, seine Integrität insgesamt hört auf zu existieren. Damit tragen diejenigen, die Kriege entfesseln, die umfassende Ver- antwortung für alles, was passiert, selbst für den Tatbeitrag eines unbekannten Soldaten.
Es ist zwar nachvollziehbar, dass wir den einzelnen Soldaten wegen Kompetenzüberschreitung, Grausamkeit und dergleichen anklagen und auch verurteilen wollen. Wir versuchen damit das Prinzip zu entlasten, am Krieg solle es nicht liegen, dass der einzelne Mensch zur Bestie wird. Dies ist aber grundfalsch. Der Krieg bemächtigt sich jedes einzelnen Menschen und verwirklicht so den Plan, und zwar die Zerstörung meines Feindes und dann meiner selbst. Ob Kriege gerecht sind oder nicht, ob man sie rechtfertigen kann oder nicht, spielt dabei überhaupt keine Rolle, sondern ausschließlich die Konsequenz. Es gibt keine beherrschbaren und kontrollierbaren Kriege, sie können auch niemals gegen unser archaisches Prinzip gerichtet sein, sondern entsprechen ausschließlich unserem kognitiven Erkenntnis- und Verhaltensstand. Wenn wir Kriege führen oder überhaupt Auseinandersetzungen mit anderen suchen, sollten wir uns dieses archaischen Musters gegenwärtig sein. Es hat kein kongruentes Verständnis für das Richtige oder Falsche, denn in unserer erlebten Werteordnung ist möglicherweise vieles angreifbar, wurde niemals überprüft oder korrigiert. Auch wenn wir uns unsere wertsublimierten Bedürfnisse zugrunde legen, z. B. die Verteidigung der Demokratie und dergleichen mehr, müssen wir uns und unseren Gegner mitberücksichtigen, und zwar deren Wertvorstellungen sowie deren archaische Grundmuster ihrer Angst als Volk, als Geschlecht unterzugehen, ihre Grenzen nicht ausreichend verteidigen zu können, den Schutz ihrer Familien und Angst vor Migration.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski