Schlagwort-Archive: Asyl

Kuschelflüchtlinge

Wir sollen sie lieben, die Flüchtlinge. So nett und adrett sind manche Kinder anzusehen, denen engagierte Mitbürger auch die letzten Kuscheltiere aus dem Schrank ihrer Kinder räumen. Die Bilder sind wonnig. Gegen das Engagement dieser Mitbürger ist überhaupt nichts einzuwenden. Sie empfinden Empathie und sehen eine Aufgabe, die sie entsprechend ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten ausfüllen. Aber, mit dieser Hilfswilligkeit kann es nicht getan sein. Das Flüchtlingsthema ist kein solches, welches der Winter wieder beseitigt oder nur mit politischem Asyl zu tun hat.

Das Drehbuch zum Flüchtlingsthema wird von einer Zwangsläufigkeit geschrieben, die berücksichtigen sollte, dass es stets Migrationen gegeben hat und eine solche gerade stattfindet. Wir sollten darauf vorbereitet sein, denn sie ist normal und trägt dem Umstand Rechnung, dass hier das Verteilungspotential weit höher ist, als zum Beispiel im Nahen Osten oder Afrika, in Zentraleuropa ein Vakuum von Kindern entstanden ist und die Lebensbedingungen in manchen Teilen der Welt bekanntermaßen sehr schlecht sind.

Hinzukommt, dass auch in den entlegensten Gegenden via Internet Informationen abgerufen werden können, die das Risiko für Menschen, in völlig unbekanntes Terrain vorzudringen, mindert. Flüchtlinge, die nach Europa kommen, wissen oft schon sehr gut Bescheid, kennen sich aus und sind mit der Mechanik unserer Gesellschaft vertraut. Sie sind auch entgegen einem weit verbreiteten Argwohn hierzulande äußerst intelligent und anpassungsfähig und dadurch in der Lage, unsere persönlichen Defizite im Lehrlings-, Arbeitnehmer- und Wissenschaftsbereich auszugleichen.

Unsere Angst vor Überfremdung mag dabei darauf beruhen, dass wir uns dem nicht gewachsen glauben und uns trefflich in eigener Bequemlichkeit eingerichtet haben. Dies wohlwissend, dass auch dieses Versprechen nur auf Zeit und nicht für die Ewigkeit gilt. Wenn wir unsere Schockstarre überwunden haben und wieder handlungsfähig sind, sollten wir Modelle und Überlebensmodelle entwerfen, die dies berücksichtigen. Mit Grenzen und Zäunen werden wir nichts ausrichten, vielleicht aber mit kultureller und wirtschaftlicher Stärkung in den Krisenregionen Afrikas und Vorderasiens.

Unser Beitrag zu diesem Desaster, aus wirtschaftlicher Gier geboren, verbunden mit militärischem Großmannsgehabe ist unübersehbar. Wenn wir das Primat des nur Wirtschaftlichen aufzugeben bereit sind und gesellschaftliche Lösungen für Regionen jenseits staatlicher Egoismen anstreben, könnte darin eine Chance liegen, die auch Flüchtlinge dazu bewegen könnte, in ihrem Heimatland zu bleiben und am Aufbau einer Gesellschaft mitzuwirken, die Alternativen zu unserer bietet.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski