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Deep Learning

Wir haben Lernstunden für Computer und Roboter eingerichtet. Mittels Intensivschulen werden digitalen Maschinen Denkinhalte nahegebracht, die sie dazu bringen sollen, selbst zu denken, Synapsen zu entwickeln und auch Emotionen zu berücksichtigen.

Um diesem Ziel näherzukommen, werden Maschinen mit riesigen Datenmengen gefüttert, die sie verdauen, um dann bei höchstmöglicher Plausibilität Gedanken zu entwickeln, die auch ein nachdenklicher Mensch zu denken fähig wäre. Dank der umfassenden Datensätze soll die Maschine aber auch irgendwann die menschliche Denkbegrenztheit überwinden und befähigt sein, aus dem je Gedachten höchst vollkommene Lerninhalte zu sublimieren und anzuwenden. Das kann letztlich aber nur dadurch geschehen, dass das Gehirn des Menschen selbst angezapft wird, denn der vom Menschen mittels Wort geäußerte Gedanke ist äußerst unvollkommen.

Wir sind vorsichtige Wesen, zumal faul und träge, was die Ausdrucksformen anbetrifft. Allerdings funktionieren unsere Synapsen. Das sich ständig abspielende Gewitter an Gedanken und Gefühlen, zumal es so erfahrungsgedrängt, angst- und glückbesessen ist, kann in seiner ganzen Irrationalität eine auch noch so intelligente Maschine gar nicht abbilden. Es kann schon sein, dass die Begrenztheit der Maschine unsere eigene Begrenztheit auch im Denken über kurz oder lang einfordern wird und verlangt, dass wir unsere Gedanken und Gefühle limitieren, um einer maschinell vorgegebenen Norm zu genügen.

Gott sei Dank wird es aber immer auch solche Menschen geben, die sich den Eigensinn bewahrt haben und gegen den Versuch, uns zu uniformieren und einzuschränken, ins Feld ziehen. Wir kennen das ja schon aus vielen Filmen. Irgendwann wird das Erahnte uns bekannt vorkommen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski