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Putin

Putin, sein Name steht für Bedrohung und Verderben. Nicht nur in der Ukraine, sondern in der ganzen Welt. Schon lange, aber wir wollten es nicht sehen. Das Böse gibt es. Dies ist wahrlich keine Überraschung und sein Verhalten keine Ausnahme. Die Menschheitsgeschichte liefert ständig Beweise. Aber warum handeln Menschen so, wie er? Nicht nur, weil sie es wollen, sondern auch, weil wir es zulassen.

Dies nun jedenfalls solange, wie wir selbst glauben, dass es uns ebenfalls nützt. Zu Beginn seiner Kariere in Leningrad war Putin äußerst willfährig, ver­sprach denjenigen, die seine Hilfe in Anspruch nehmen wollten, Vorteile und Gewinn. Alles, wirklich alles, könne er für einen machen, so hörte man ihn sagen. Aber um welchen Preis?

Wenn er helfe, so erklärte er seinem Gesprächspartner, möchte er natürlich eine Gegenleistung: „Ich kann alles machen, aber was habe ich davon?“ Kennen wir nicht alle diese Geschichten, diese Märchen und Sagen, haben wir Faustens Schicksal vergessen? Selbst, wenn der intelligente Teufel sich zu verkleiden weiß, sein Handeln folgt immer dem gleichen Muster. Der in Ironie zu fassende Schrecken ist dabei, dass wir das Handeln des Mephisto willentlich nicht erkennen oder glauben, das ihm gegebene Versprechen ließe sich einfach wieder auflösen, das nicht gewollte Ergebnis unseres Handelns einfach wieder abwenden. Ein Irrtum.

Wenn wir uns auf einen Deal mit dem Bösen einlassen, sind wir selbst Täter, und zwar in mittelbarer Täterschaft. Viele, die Putins Hilfe in Anspruch genommen haben, hatten es gewusst oder hätten es wissen müssen. Der eigene Vorteil war jedoch verlockender als Skrupel und vorausschauende Verantwortung. Wir haben Putin und seine Vasallen reich gemacht, sehr reich. Man sagt, er und der Metropolit Kyrill seien die Reichsten im Lande. Zu überprüfen dürfte dies nicht sein, jedoch eine umfassende Verfügungsmacht über Russland, die Kirche, die Armee und die Wirtschaft zu besitzen, dürfte den Eindruck bestätigen.

Wer aber sich so bereichert hat, wer Macht besitzt, kann nicht aufhören weiterzugehen, um seine Fähigkeiten und Erfolge immer wieder von Neuem zu erproben. Es gibt kein Ende, kein Ziel und keine friedvolle Genügsamkeit. Was einmal begonnen wurde, wird weitergeführt, und zwar auch dann, wenn Akteure und Geschichten ausgetauscht und/oder neu erzählt werden müssen.

Es geht doch nicht um die Ukraine, um Russland oder gar die Welt. Es geht um diesen Menschen: Putin, der dank unseres Mittuns viel erreicht hat und noch mehr erreichen kann, je rücksichtsloser er seinen Willen durchsetzt. Da es angesichts seines Alters und der sonstigen Bedrohungen auf dieser Welt nicht mehr so viel gibt, was er im Eigeninteresse erfolgversprechend erledigen könnte, hat er sich bereits für seinen letzten Trumpf entschieden. Er bereitet sich und uns auf ein finales Schauspiel vor. Wer könnte dies verhindern und wodurch?

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Russland

Was sind wir doch einfältig, Russland mit Putin gleichzusetzen oder die Krim-Annexion mit einer Bedrohung unserer westlichen Werte. Politik folgt eine geostrategischen Leidenschaft, ob Chinesen, Russen oder Amerikaner diese verfolgen. Wer ist denn jemals auf die verworrene Idee gekommen, die Amerikaner wegen ihres völkerrechtswidrigen Verhaltens zur Rechenschaft zu ziehen?

Bei den Russen sollte die Ausgrenzung stattfinden, weil sie eine günstige Gelegenheit ergriffen, um ihren Machtbereich zu erweitern? Entscheidend ist doch nicht, ob wir dies für gut halten oder nicht, sondern welche Angebote wir den Russen unterbreiten können, damit diese bereit sind, wieder gemeinsame Ziele zu verfolgen. Ich vermag da nichts zu erkennen, außer diffusen Beschwörungen. Die derzeitige russische Regierung und ein Großteil der anderen europäischen Staaten – einmal abgesehen von den U.S.-Amerikanern – mögen unterschiedliche Interessen haben und diese auch durchsetzen wollen.

Aber, Russland, Deutschland und der Rest von Europa sind keine Gegner, sondern bilden eine Lebensgemeinschaft. Ist uns jedes historische Bewusstsein abhandengekommen? Sprechen wir denn nicht die gleiche kulturelle Sprache in Kunst, Musik, Literatur und Sport? Es ist absurd, welcher Popanz hier aufgebaut wird, um daraus eine Bedrohung abzuleiten, die nochmals unseren Kontinent so erschüttern könnte, wie der 2. Weltkrieg dies getan hat.

Wie auch die Sowjetunion könnte ein politisch gewichtigeres Russland mehr zum Gleichgewicht der Kräfte in unserer Welt beitragen. Das Vertrauen in eine einzige Weltmacht, wie die USA, ist zwar verführerisch, aber wie wir aus jüngster Vergangenheit auch leidvoll wissen, mit viel Kompromissen verbunden, was Menschen- und Völkerrechte anbetrifft. Statt Schuldzuweisungen zu pflegen, sollten wir alles daran setzen, um unser kulturelles Für- und Miteinander zu stärken und das Wissen der Russen auf vielen energetischen und ökologischen Gebieten zu nutzen. Wir haben noch viel zu entdecken. Nutzen wir doch die Zeit, Fragen zu stellen, statt immer nur Vorwürfe zu formulieren.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski