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Kleine Leute

Kleine Leute. Das ist keine Frage des Maßes, sondern der medialen Zuweisung in unserer Gesellschaft. Kleine Leute denken und empfinden wir so in ihrer Durchschnittlichkeit, ihrer Begrenztheit und Abhängigkeit. Kleine Leute bestimmen nach dieser Lesart den Durchschnitt unserer Gesellschaft durch ihre Präsenz als arbeitende Menschen und Konsumenten. Kleine Leute betrachten wir zudem als nicht gefährlich, sondern eher umgänglich.

Kleine Leute kümmern sich angeblich nur um sich selbst und bleiben lebenslang am Tropf des Staates. Sie stellen Ansprüche und werden versorgt. Sie bestimmen Wahlen und politische Agenden. Sie sind anonym und unbekannt. Die kleinen Leute sind die Könige von Deutschland, werden aber lächerlich gemacht und denunziert; sie seien beispielsweise bildungsfern, abgehängt und fremdenfeindlich.

Dass sie viele sind, beruhigt die einen und macht den anderen Angst. Wir müssen aber aufpassen, dass wir sie nicht zu dem machen, was sie überhaupt nicht sind, und zwar kleine Leute. Diesen, in der Mehrzahl uns unbekannten Menschen, fällt es leicht, sich in Ehrenämtern zu engagieren, anderen zu helfen, sie zu trösten, zu pflegen und zu beschützen. In ihren Wohnungen und Schrebergärten bewahren sie eine Kultur des Miteinander, Mitleidens und Verstehen.

Die kleinen Leute sind das Rückgrat jeder genossenschaftlichen Regelung, der Schaffung einer verlässlichen Gemeinschaft. Ohne die kleinen Leute funktioniert in unserer Gesellschaft überhaupt nichts. Deshalb ein Hoch auf diese tapferen Menschen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Deep Learning

Wir haben Lernstunden für Computer und Roboter eingerichtet. Mittels Intensivschulen werden digitalen Maschinen Denkinhalte nahegebracht, die sie dazu bringen sollen, selbst zu denken, Synapsen zu entwickeln und auch Emotionen zu berücksichtigen.

Um diesem Ziel näherzukommen, werden Maschinen mit riesigen Datenmengen gefüttert, die sie verdauen, um dann bei höchstmöglicher Plausibilität Gedanken zu entwickeln, die auch ein nachdenklicher Mensch zu denken fähig wäre. Dank der umfassenden Datensätze soll die Maschine aber auch irgendwann die menschliche Denkbegrenztheit überwinden und befähigt sein, aus dem je Gedachten höchst vollkommene Lerninhalte zu sublimieren und anzuwenden. Das kann letztlich aber nur dadurch geschehen, dass das Gehirn des Menschen selbst angezapft wird, denn der vom Menschen mittels Wort geäußerte Gedanke ist äußerst unvollkommen.

Wir sind vorsichtige Wesen, zumal faul und träge, was die Ausdrucksformen anbetrifft. Allerdings funktionieren unsere Synapsen. Das sich ständig abspielende Gewitter an Gedanken und Gefühlen, zumal es so erfahrungsgedrängt, angst- und glückbesessen ist, kann in seiner ganzen Irrationalität eine auch noch so intelligente Maschine gar nicht abbilden. Es kann schon sein, dass die Begrenztheit der Maschine unsere eigene Begrenztheit auch im Denken über kurz oder lang einfordern wird und verlangt, dass wir unsere Gedanken und Gefühle limitieren, um einer maschinell vorgegebenen Norm zu genügen.

Gott sei Dank wird es aber immer auch solche Menschen geben, die sich den Eigensinn bewahrt haben und gegen den Versuch, uns zu uniformieren und einzuschränken, ins Feld ziehen. Wir kennen das ja schon aus vielen Filmen. Irgendwann wird das Erahnte uns bekannt vorkommen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski