Schlagwort-Archive: Bildungsbereitschaft

Ruck – Stiftung des Aufbruchs

Die Ruck-Stiftung des Aufbruchs wurde 2007 gegründet, um sich einzusetzen für bürgerliches Engagement und eine Gesellschaft der Selbstverantwortung und Solidarität.

Die Stiftung initiiert vorwiegend eigene Projekte, unterstützt im Einzelfall aber auch andere, die sich einen Ruck geben und durch ihr Handeln zeigen, dass sie sich aktiv einbringen wollen in Prozesse der Umgestaltung.

Die Ruck-Stiftung fokussiert in ihrer Arbeit seit Jahren das Thema Frühkindliche Bildung durch Elternbildung, das in den die Projekten VIVA FAMILIA! sowie SPRACHFÖRDERUNG UND KREATIVPROJEKTE für Flüchtlingsfamilien umgesetzt wird.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Familie

Nach Artikel 5 des Grundgesetzes genießt die Familie den besonderen staatlichen Schutz. Was bedeutet dies und welche Konsequenzen sind hieraus abzuleiten? Gesetzlich ist das zunächst gelöst. Vom Elterngeld bis zum Sorgerecht sorgt der Staat dafür, dass die Durchführung des familiären Experiments gewährleistet ist. Doch ist zu fragen, ob der Staat auch bereit ist, die Autonomie der Familie zu respektieren, insbesondere ob unsere Gesellschaft überhaupt die grundgesetzliche verankerte Achtung der Familie immer zu verteidigen bereit ist. Ich habe da meine Zweifel. Dies nicht deshalb, weil es die unterschiedlichsten Familienmodellen gibt, sondern weil das Selbstverständnis, welches der Familie eigentlich innewohnt politisch konturlos erscheint. Der Begriff „Familie“ wirkt zudem antiquiert, unzeitgemäß, spießig und kategorisch. Richtig ist, dass mit dem Begriff „Familie“ Schindluder getrieben wurde, und zwar dadurch, dass ihm interessierte Kreise etwas nur auf Vermehrung gerichtetes, Wertkonservatives oder Versorgungstechnisches anhefteten.

Auch wenn der ein oder andere vorgenannte Aspekt durchaus nicht geleugnet werden kann, so ist Familie dennoch etwas ganz Besonderes. Sie beruht auf der Verabredung von Menschen, ein gemeinsames Unternehmen zu gründen, das es ihren Kindern ermöglicht, sich in diese Gesellschaft hinein zu entwickeln. So ist die Familie das Start-up-Unternehmen für jedes Baby. Was in der Familie misslingt, kann auch kaum mehr erfolgreich durch Kindergarten und Schule ausgebügelt werden. Die Nähe des Kindes zu seinen Eltern schafft das Lebensvertrauen, das Kinder überhaupt erst in die Lage versetzt, sich diejenigen Fähigkeiten anzueignen, mit deren Hilfe sie in Integrität und Zuversicht künftig ihr Leben gestalten können.

Dabei kommt es bereits auf die pränatale Vorbereitung und die ersten sieben Monate eines Kindes an, denn was dort nicht angelegt wurde, kann auch später nicht nachgeliefert werden. Es kommt zudem darauf an, dass die Eltern an die Kinder Liebe, Güte, Bildungsbereitschaft, Zuversicht , d. h. all diejenigen Fähigkeiten weitergeben, die ihre Kinder als Rüstzeug des Lebens dringend benötigen.

Das Kind interessiert sich für seine Eltern, deren Sprache, Geschichten, Rituale und Berührungen, deshalb ist es so wichtig, Eltern auszubilden, denn Elternbildung schafft Kinderbildung. Sowohl im tatsächlichen als auch im übertragenen Sinne. Zur Familie gehören selbstverständlich neben den Eltern auch Großeltern, Geschwister und Verwandte mehrerer Generationen. Freunde und nahe Bekannte sind wichtig für das Kind. Sie alle sind primäre Paten einer günstigen Zukunftsprognose für das Kind und schaffen gemeinsam die Voraussetzungen dafür, dass mit dem Eintritt in Kindergarten und Schule die Familie nicht ausgeschlossen ist, sondern weiterhin den Hintergrund für selbstbewusste Erfahrungen des Kindes bieten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Projektziel

Das Projekt Viva Familia! dient dazu, Eltern zu ermutigen, das Singen und Erzählen aktiv und bewusst in den Familienalltag zu integrieren. Eltern sollen darin bestärkt werden, ihren Kindern Geschichten zu erzählen und gemeinsam zu singen. Dazu gehört auch die Aufklärung darüber, dass technischen Medien wie CD und DVD kein Ersatz sind für die persönliche Zuwendung der Eltern. Des Weiteren soll ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, wie Erzählen und Singen dazu beitragen kann, den Alltag durch Rituale besser zu strukturieren und zu bewältigen.

Das Bildungsinteresse und die Bildungsbereitschaft von Eltern sollen durch Viva Familia! so früh wie möglich, das heißt bestenfalls bereits vor der Geburt des Kindes, gefördert werden.

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Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

7. Bildungseinrichtungen

Einen umfassenden Katalog von Bildungseinrichtungen darzustellen, würde den Rahmen dieser Betrachtung sprengen, deshalb wird hier lediglich eine Auswahl von maßgeblichen Bildungseinrichtungen wiedergegeben:

  • ƒdie Familie
  • ƒdie Freunde
  • ƒder Kindergarten
  • ƒdie Grundschule
  • ƒdie Hauptschule, das Gymnasium
  • ƒdie Fachschule
  • ƒdie Universitäten
  • ƒdie Volkshochschulen bzw. sozialpädagogischen Einrichtungen
  • ƒSeniorenhochschulen
  • ƒdas Fernsehen, der Rundfunk, die Medien, der Film, das Theater, das Musik- theater, Opern, Galerien und Museen
  • ƒwir alle.

Die Aufstellung zeigt, dass es eine Fülle von Institutionen gibt, die geeignet sind – pädagogisch oder ungebunden – Bildungsinhalte zu vermitteln, nahe zu bringen, zu vertiefen und auch zu erwecken.

Die Abläufe zwischen den verschiedensten Bildungseinrichtungen sind teilweise inkohärent, nicht aufeinander abgestimmt, in der Umsetzung nicht verzahnt, sondern am eigenen Verständnis ausgerichtet.

Der Kindergarten bzw. die Kita sieht sich als Sachverwalter der Kinderinteressen bei Überwindung traditioneller Strukturen zur Bewahrung von Kindern vor Schäden, Schaffung von Kontakten, pädagogischer Aufbauarbeit und dergleichen mehr. Für berufstätige Eltern wird die Kita als geeignete Bewahreinrichtung ihrer Kinder für die Zeit ihrer beruflichen Abwesenheit angesehen. Für Erzieher ist es ein psychosoziales Erlebnisfeld mit dem Hauptaugenmerk, diejenigen zu erfassen, die mitmachen, und zu versuchen, Störer zu integrieren und dabei auch spielerisch die Zeit zu überwinden, bis die Kinder wieder abgeholt werden. Bildungspädagogische Ansätze, die darauf gerichtet sind, frühkindliche Erfahrungsprozesse zu fördern und Lerninhalte zu vermitteln, die Kinder bildungsoffen machen, sind leider oft wenig erkennbar. Dabei kann schon früh damit begonnen werden, Kinder für die Zeit ihres Aufenthaltes im Kindergarten aus ihrem üblichen sozialen Milieu zu entführen und ihnen Gelegenheit zu geben, mit etwas konfrontiert zu werden, was außerhalb ihrer ständigen Erfahrungswelt liegt. Gerade bei Kindern hat das Besondere einen großen Stellenwert, eröffnet ihnen die Möglichkeit, das Erfahrene zu speichern, zu verarbeiten und im Sinne eines Bildungsgrundstockes bei sich zu belassen – und zwar auch dann, wenn es nicht stets präsent ist.

Grund-, Hauptschulen und Gymnasien sind im starken Maße auf Wissensvermittlung angelegt, wobei das Grundverständnis, weshalb Wissen zur Bildungsentwicklung notwendig ist, der Sinnzusammensetzung an sich, meist nicht weitergegeben wird. Deshalb erfolgt die Akkumulation von Wissen unter zufälligen Gesichtspunkten wie sporadischem, spezifischem Interesse oder allgemeiner Aufnahmebereitschaft. Insgesamt vorwiegend ist jedoch die Gleichgültigkeit gegenüber dem so dargebrachten diffusen Bildungsangebot. Der Grund dürfte zum Einen bei den Schülern selbst zu suchen sein, zum Anderen aber auch bei den Lehrern, die oft selbst keine Bildungsbereitschaft mitbringen, weil sie sich während ihrer Studien auf die Vermittlung von Lehrinhalten konzentriert haben. Dies entspricht ihrer Ausbildung, ihrer Berufung und dem oft verordneten Leistungsziel der Schulen. Dies ist aber grundverkehrt. Schulen benötigen gebildete, d. h. fächerübergreifend ausgebildete Lehrer, die in der Lage sind, den Schülern Zusammenhänge zwischen verschiedenen Fächern aufzuzeigen, Kybernetiker, bei denen z. B. Geschichte nicht die sich wiederholende Erfahrung von politischen oder kriegerischen Details ist, sondern die Schüler teilnehmen lässt an einem exemplarischen Prozess und die dadurch stimulierend wirken auf Sinn und Verstand der Schüler, auf ihr genetisches Erinnerungsvermögen und ihre wachsende soziale Erfahrung und ihnen damit Gelegenheit geben, Pläne für die Zukunft künftig gemeinsam zu gestalten.

Der Schüler ist heute in der Schule meist unterfordert. Aus dieser Unterforderung entstehen Gleichgültigkeit, Verdruss, oft Langeweile, sie schafft Aufmerksamkeitsdefizite und führt schließlich zur Überforderung des Schülers, angesichts der angebotenen Lehrinhalte, die als Pensum von ihm geschafft werden müssen. Eine Schule, die darauf konzentriert ist, alle Bereiche des menschlichen Lebens anzusprechen, die lyrische Metapher nicht nur im Deutschunterricht anklingen lässt, sondern Versmaß mit Mathematik zu verknüpfen vermag oder Wirtschaft mit Politik und Geschichte, Physik mit Philosophie und Computer mit Chemie, eine solche Schule wäre in der Lage, grundsätzlich vorhandenes Interesse bei den Schülern so zu verstärken, dass der eigene Erlebniswille für Bildung einsetzt.

Einem besonderen traditionellen Schultyp kann hier das Wort nicht geredet werden. Eine Ganztagsschule ist gemessen an heutigen Umständen sicher zu befürworten. Wichtig dabei ist aber auch, dass die Schule ganztägig den Schülern zur Verfügung steht und sich nicht als Bewahranstalt begreift. Soziales Erleben, Essen, vor allem auch Sport, Kunst und Musik, Tanz, Bewegung, Theater, all dies sind unerlässliche Voraussetzungen für den Betrieb einer Ganztagsschule. Die Ausbildung der Schüler entspricht dabei immer dem Bildungsstand der Lehrer, die sich ihrerseits nicht nur fachspezifisch einbringen dürfen, sondern eine Gesamtübersicht behalten müssen, Teilhaber des Schulbetriebs werden.

Die universitäre Ausbildung ist verständlicherweise und notwendigerweise wie jede Fachschulausbildung daran orientiert, dem Menschen eine Gelegenheit zu geben, sich im Leben zu verwirklichen. Dabei ist die Kompensation für geleistete Arbeit, die heute vorwiegend in Geld besteht, der eine Aspekt, der andere aber der Erwerb der Lebenssicherheit und die Teilnahme an einem gesamtgesellschaftlichen Schöpfungsprozess, der nur dadurch erreicht werden kann, dass der Student über seinen Tellerrand zu schauen vermag, eintritt in ein „Studium generale“. Einem Studenten der Rechtswissenschaft ist z. B. zu empfehlen, neben seinem Rechtsstudium nicht nur Betriebswirtschaft zu belegen und Sprachkurse zu besuchen, sondern sich auch für Theaterwissenschaften, Literaturwissenschaften oder Kunst zu interessieren. Nur durch die Fähigkeit, in das Wesen anderer Dinge einzudringen, in der Erfahrung von Bildung, vermag sich der Mensch auch vollkommen und souverän beruflich zu bewegen. Er ist so offen für Kreativität, ist offen, seine Erfahrungen mit denjenigen Anderer zu verknüpfen, um auch zum gemeinsamen gesellschaftlichen Erfolg beizutragen. Die fachspezifische Einengung der Ausbildung führt zu Ängstlichkeiten, zu Mutlosigkeiten, wie sie teilweise unter Politikern zu beobachten sind, fehlender Risikobereitschaft und Eigensinn. Das Leben ist Risiko, der Verzicht auf Risiko macht Leben immobil. Die Ausbildung wird damit entwertet.

Exkurs: Eine herausragende Rolle der Eltern bei der Entwicklung von Bildungschancen für ihre Kinder war schon mehrfach herausgehoben worden. Ein großes Problem stellt hierbei allerdings dar, dass Eltern oft ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie ihren Vorgesetzten erklären müssen, dass sie zu bestimmten Tagen oder Stunden nicht zur Verfügung stehen können, weil sie sich um ihre Kinder kümmern müssen. Dieser Umstand ist in unserer Gesellschaft miserabel besetzt. Kinder zu bekommen und für diese sorgen zu müssen ist in unserer Gesellschaft ein Hinderungsgrund für Karriere und damit auch für die Befruchtung von Bildungsinhalten. Aber dort, wo die Eltern durch ihren Beruf aufgefressen werden, gefährden sie gerade die Bildungsentwicklung der Kinder. Hier ist Abhilfe zu schaffen. Der Mensch muss wieder zu einem ausgewogenen Berufsleben finden. Geld alleine ist im Leben nicht wichtig, sondern die Freude an einer sinnstiftenden Tätigkeit. Sie ist den Kindern auch vermittelbarer.

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Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

5. Erfassung von Bildung

Bildung ist nicht Wissen, sondern die Verarbeitung von Wissen. Wissen ist im Menschen vorhanden und wird auch täglich an ihn herangeführt. Bildung beruht auf den Synapsen zwischen einer Fülle von Wissensangeboten, die der Mensch nicht erst bei seiner Geburt, sondern vom Beginn seiner Menschwerdung an erfährt. Dabei spielt auch die Auswahl zwischen den Wissensangeboten eine wichtige Rolle. Vieles ist bereits im jüngsten Menschen begründet, denn die Aufgabe der Gene ist es, verarbeitete Erfahrungen weiterzugeben. Damit erschöpfen sich allerdings die Bildungsfähigkeiten des Menschen nicht, sondern das Maß der Erfahrbarkeit von Bildung hängt entscheidend von seiner Bildungsbereitschaft und seiner Umgebung ab. Auch ist Bildung kein rein kognitiver Prozess, sondern umfasst den ganzen Menschen, seine Gefühle, seine Spiritualität, seine Fähigkeiten zu greifen und zu begreifen, zu hören, zu fühlen, zu schmecken, zu sehen, zu atmen und schließlich auch zu denken. Auch Bildungsangebote beschränken sich demgemäß nicht auf zu verarbeitendes Wissen. Die Ausbildung des Menschen ist ein komplexer Vorgang, der nicht dadurch vereinfacht werden kann, dass man den Bildungsauftrag einzelnen Einrichtungen zuschreibt und dabei die Komplementärfunktion der Anderen, der Gesellschaft, der Eltern usw. vernachlässigt. Wenig hilfreich ist daher die Denunziation eines angeblich nicht geeigneten Bildungsumfelds als bildungsfern oder bildungsfeindlich.  Das mag so begriffen werden, jedoch ist es das Ziel, dass diejenigen, die selbst Bildungschancen nicht mehr wahrnehmen wollen oder auch können, sich gegenüber ihren eigenen Kindern nicht bildungsfeindlich verhalten, sondern Bildung zumindest als eine Chance für ihre Kinder begreifen. Auch eine Neutralität gegenüber den Bildungsinteressen ihrer Kinder wäre dabei schon hilfreich. Deshalb ist es eine der vordringlichsten  Aufgaben, ein Bildungsverständnis  zu schaffen, welches als Konsens in der Gesellschaft verankert ist und somit den Boden für  Bildung  schafft.  Das  Bildungsklima  verbessert  sich  je  nachdem, wie  die Gesellschaft selbst Bildungsinteressen nicht mit Argwohn begleitet, sondern mit ansteckender Sympathie. Auch wenn die Gesellschaft oft bildungsstörende Einrichtungen – wie Computer und Fernsehen – aus dem Leben nicht entfernen kann, so können diese Einrichtungen doch auch zur Wahrung von Bildungsinteressen instrumentalisiert werden. Dabei geht es nicht nur um Bildungsprogramme, sondern um den bewussten und selbstbewussten Einsatz von Medien generell.

Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Selbstverständlichkeit. Dies ist leicht daraus abzuleiten, dass wir Menschen dazu bestimmt sind, uns für andere Menschen einzusetzen und damit die Menschheit selbst bei ihrer Entwicklung zu unterstützen. Je höher die Einsichtsfähigkeit des Menschen nicht nur in sein vorhandenes Leben, sondern auch in seine Zukunftsperspektiven ist, umso sicherer ist sein Umgang mit Instrumenten bei der Gestaltung der Zukunft. Warum sollte der Mensch nach Bildung streben? Diese Frage ist so müßig wie die Klärung der Seinsfrage an sich. Der materiell organisierte Mensch wird die Vorteile eines Bildungsvorsprungs genauso für sich entdecken wie der spirituell orientierte Mensch, dem die Bildung den Zugang zu sich, zur Mystik und anderen Lebensgeheimnissen eröffnet. Die Notwendigkeit der Bildung für den Fortbestand der Menschen ist wohl unbestritten. Es besteht jedoch Ratlosigkeit, wie Bildung implementiert und als selbstverständliches Lebensregelwerk erfahren werden kann.

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Hans Eike von Oppeln-Bronikowski