„Auf und mach´ das Banner Licht, ob das Wetter niederbricht, frisch hinausgeschritten, denn wir bleiben immer da, Christi junge Kämpferschar, er in unserer Mitten!“ So singend zogen wir als junge Kerle durch unsere Welt, organisierten Zeltlager, überfielen Pfadfinder, raubten ihnen ihren Wimpel. Diese überfielen wieder uns und raubten uns den Wimpel. Wir machten Kanufahrten und beteten, spielten miteinander, zelteten, unternahmen Fahrradtouren.
Wir waren Kameraden und hatten uns verabredet, zudem noch gute Christen zu sein. Es war eine herrliche Zeit. Die Lieder, die wir damals sangen, kommen mir heute komisch vor. Wir hatten Uniformen und Parolen. Wir sangen auch: „Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord …“. Es gab durchaus Lieder, die bereits bei der Hitlerjugend gesungen wurden.
Dies waren auch Vorbehalte, die zumindest in Deutschland gegen Jugendgruppen vorgebracht wurden. Natürlich sind sie nicht von der Hand zu weisen. Die Begeisterungsfähigkeit von Kindern und jungen Menschen kann immer missbraucht werden, von Ideologien und Religionen. Aber das Andere ist auch wichtig zu betonen, dass Gemeinschaften gerade jungen Menschen Gelegenheit geben, sich gemeinsam zu vergewissern, an Lebensstabilität zu gewinnen und außerhalb des elterlichen Einflussbereiches sowie der Schule, Erfahrungen zu sammeln und zu sehen, was das Leben so bietet. Deshalb haben Kinder- und Jugendgangs eine große Anziehungskraft, die derjenigen von religiösen Kinder- und Jugendgemeinschaften sehr ähnlich ist. Sie vermitteln Halt und Anerkennung. Sie sind aber auch leicht manipulierbar durch Erwachsene, die Begeisterungsfähigkeiten in die für eigene Interessen nützliche Bereiche lenken. Dem kann man nur bedingt durch Verbote begegnen.
Sinnvoll ist es vielmehr, die Organisationskraft und Möglichkeit von Kindern und Jugendlichen zu stärken, ihnen nicht nur im Bereich Sport, sondern auch in allen sonstigen Bereichen noch mehr Möglichkeiten zu eröffnen, als dies heute geschieht. Wenn wir der Verführbarkeit von Kindern und Jugendlichen entgegenwirken wollen, müssen wir Begegnungsstätten stärken, in denen Kontroversen ausgetragen werden können. Die Zeit im CVJM war für mich sehr wichtig. Zum Gotteskrieger bin ich aufgrund meiner Erfahrungen nicht geworden, aber es war schön, für etwas einstehen zu dürfen und daraus eine pragmatisch integre Haltung für den Alltag abzuleiten.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski