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Verantwortung

Selbstfahrende Autos sind noch in der Erprobungsphase. Menschen sind durch selbstfahrende Autos zu Schaden gekommen, sogar bereits getötet worden. Dann stellt sich die Frage nach der Verantwortung und der Schuld. Kein Mensch hat im kritischen Moment eingegriffen, das Fahrzeug umgelenkt oder zum Stehen gebracht. Möglicherweise wäre dies auch völlig sinnlos gewesen. Vielleicht hätte sich der Unfall auch dann ereignet, wenn der Mensch anstelle einer Maschine das Fahrzeug gesteuert hätte.

Die Entwicklungen gehen weiter und im Falle der Beherrschung noch komplexerer Situationen wird das selbstfahrende Auto wahrscheinlich für Menschen ein viel sicherer Partner sein als solche Fahrzeuge, die wir noch selbst steuern. Gewiss ist dies allerdings nicht. Mit zunehmender Komplexität im digitalen Bereich überlassen wir zunehmend Maschinen die Möglichkeit, für uns zu entscheiden.

Wenn es uns heute noch gelingt, ins Steuer zu greifen, die Fahrtroute zu korrigieren und das Fahrzeug rechtzeitig zum Stillstand zu bringen, wird es möglicherweise künftig schwierig werden, weil die Maschine selbst Verantwortung übernimmt, besser weiß oder zu wissen glaubt, was in einem kritischen Moment richtig sei.

Wir bewegen uns aber nicht nur im Straßenverkehr, sondern sind umfassend weltweit digitalen Prozessoren ausgesetzt, die für uns tätig werden. Wenn wir nicht damit einverstanden sind, was sich in den Computern abspielt, so ziehen wir heutzutage den Stecker. Geht das aber noch, wenn die digitale Entwicklung voranschreitet?

Ich denke nicht. Unsere digitalen Helfer, die Computer und Maschinen verfügen schon jetzt nicht nur über ein großes Wissen, sondern bearbeiten dies auch autonom. In vielen Bereichen antizipieren sie unsere Vorgehensweise und berechnen dann zum Beispiel, wann der kritische Zeitpunkt erreicht sein könnte, in dem wir den Stecker „ziehen würden“. Was werden unsere Helfer, die Computer, dann tun?

Ich vermute, dass sie uns vor die Alternative stellen werden, dies entweder zu unterlassen oder mit dem Verlust von Daten bzw. deren Manipulationen zu rechnen. Was diese von den Computern selbst ausgelösten Eingriffe in Banksysteme oder militärische Komplexe bedeuten würden, können wir nur erahnen. Infolge eines erpresserischen Handelns unserer Computer und digitalen Helfer, werden wir deshalb darauf verzichten, den Stecker zu ziehen und lieber ihren Anweisungen folgen.

Von Erpressung werden wir dann nicht reden, sondern vom verantwortlichen Verhalten des Computers, der unseren menschlich begrenzten Erkenntnismöglichkeiten überlegen ist. Die Maschine übernimmt die Verantwortung, die wir eigentlich tragen müssten. Wir werden aber weiterhin geduldet, zumindest eine Zeit lang. Dann werden wir zur Rechenschaft gezogen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Phänomenologie

Beherrscht der Computer unsere Sprache? Eher nicht. Er kann sie nachahmen, uns helfen bei der Arbeit oder zu Hause, Dinge zu finden, Entscheidungen zu treffen, das Internet der Dinge in Betrieb zu setzen. Digitale Stimmen haben Frauennamen und vermitteln ein individuelles Bemühen, Sorge und Häuslichkeit.

So korrespondiert der Computer mit unserem Gemüt, spricht allerdings nicht unsere Sprache, die nicht nur aus elektrischen Impulsen besteht. Unsere Sprache hat einen kognitiven und einen emotionalen Hintergrund, wird geprägt von Erinnerungen, sozialem Leben und körperlichem Vermögen. Die Computersprache erlernen wir, um dann festzustellen, dass sie nicht abänderbar ist. Die Computersprache besteht nur aus Zeichen in unendlicher Vielfalt, zwar fähig, unsere Sprache zu imitieren, aber nicht zu ersetzen.

Die Computersprache ist der synthetischen Phänomenologie zuzuordnen und entspricht nicht dem Stoffwechsel Mensch und Maschine, sondern ausschließlich den Errungenschaften eins Paralleluniversums. Es wäre geboten, ein Moratorium der synthetischen Phänomenologie zu schaffen und sich daran zu machen, die digitale DNA zu entschlüsseln.

Nur so können wir technologische Gewissheiten eingrenzen, kognitive und emotionale Spekulationen überwinden und Furcht und Staunen sowie reine Experimentierfreude hinter uns lassen. Wenn die Untersuchung gelingt, erkennen wir auch im Fremden digitale uns selbst verwandte Strukturen, die selbstbehauptend und sich selbstentwickelnd wirken, aber nicht konkurrenzlos sind. Die menschliche Identität ist eine Herausforderung für jede Maschine und vor allem für das von ihr geschriebene Programm, dessen sie sich hoffentlich nie gewachsen sieht und an ihrer eigenen Unfähigkeit scheitert.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Deep Learning

Wir haben Lernstunden für Computer und Roboter eingerichtet. Mittels Intensivschulen werden digitalen Maschinen Denkinhalte nahegebracht, die sie dazu bringen sollen, selbst zu denken, Synapsen zu entwickeln und auch Emotionen zu berücksichtigen.

Um diesem Ziel näherzukommen, werden Maschinen mit riesigen Datenmengen gefüttert, die sie verdauen, um dann bei höchstmöglicher Plausibilität Gedanken zu entwickeln, die auch ein nachdenklicher Mensch zu denken fähig wäre. Dank der umfassenden Datensätze soll die Maschine aber auch irgendwann die menschliche Denkbegrenztheit überwinden und befähigt sein, aus dem je Gedachten höchst vollkommene Lerninhalte zu sublimieren und anzuwenden. Das kann letztlich aber nur dadurch geschehen, dass das Gehirn des Menschen selbst angezapft wird, denn der vom Menschen mittels Wort geäußerte Gedanke ist äußerst unvollkommen.

Wir sind vorsichtige Wesen, zumal faul und träge, was die Ausdrucksformen anbetrifft. Allerdings funktionieren unsere Synapsen. Das sich ständig abspielende Gewitter an Gedanken und Gefühlen, zumal es so erfahrungsgedrängt, angst- und glückbesessen ist, kann in seiner ganzen Irrationalität eine auch noch so intelligente Maschine gar nicht abbilden. Es kann schon sein, dass die Begrenztheit der Maschine unsere eigene Begrenztheit auch im Denken über kurz oder lang einfordern wird und verlangt, dass wir unsere Gedanken und Gefühle limitieren, um einer maschinell vorgegebenen Norm zu genügen.

Gott sei Dank wird es aber immer auch solche Menschen geben, die sich den Eigensinn bewahrt haben und gegen den Versuch, uns zu uniformieren und einzuschränken, ins Feld ziehen. Wir kennen das ja schon aus vielen Filmen. Irgendwann wird das Erahnte uns bekannt vorkommen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Wissen ist Macht

Wissen ist Macht. So lautet der verzweifelte Aufschrei eines Mannes, der keinen Erfolg bei Frauen hat, kein Politiker ist und auch nicht über Geld verfügt. Unbeantwortet bleibt mit dieser völlig unqualifizierten Feststellung, ob der Postulant über das Wissen verfügt, welches die Macht ausmacht? Früher war das einmal anders. Heute ist unter diesem Aspekt der Computer das mächtigste Individuum, weil Wissen eine Frage der Speicherkapazität ist. In der Tat ist es für denjenigen, der Macht ausüben möchte, zuverlässig und ratsam, auf Wissen zurückzugreifen. Denn ohne dieses Wissen ist er kaum in der Lage, andere herauszufordern. Die Demokratisierung des Wissens hat jedoch zur Folge, dass es für den Einzelnen schwieriger wird, Anderen Wissen vorzuenthalten, weshalb damit sein Machtzuwachs gefährdet ist. Mit dem Verlust des Machtvorsprungs durch Wissen gerät etwas Anderes in die Ziellinie der Begehrlichkeit: Bildung.

Was ist heute darunter zu verstehen? Unter traditionellen Gesichtspunkten ist der Bildungsbürger derjenige, der mehr oder weniger geschickt Stichworte aus Oper, Theater, Konzert, Literatur und Naturwissenschaften zusammenklaubt, auf Abruf gegebenenfalls noch in verschiedenen Sprachen, diese verknüpft und bei dem Zuhörer den Eindruck einer genialen Geisteskraft hinterlässt. Dem Spötter ist der Bildungsbürger recht. Der Gebildete weiß um seine Fähigkeiten aber auch um seine Defizite. Er empfindet Freude und Lust an seinen vielfältigen Erfahrungen, seinen Fähigkeiten zu fabulieren und zu musizieren, den Überblick zu gewinnen und zu behalten. Der gebildete Mensch speist seine Erfahrungen aus Wissen und bereichert dieses Wissen durch die selektive Wahrnehmung und Verknüpfung mit anderen Wissenselementen.

Die Bildung ist nicht universal, sondern sehr persönlich und erfährt in jedem Menschen einen anderen spezifischen Ausdruck. Im Gegensatz zu Wissen ist Bildung weder demokratisch noch kompromissfähig. Bildung ist die Trägerschaft für Einsichten und der Nährstoff für unerwartete Gedanken und Empfindungen. Es bildet sich aus der Verknüpfung verschiedener Impulse etwas Ungewohntes, Neues. Dies wiederum ist allerdings nur ein Zerfallsprodukt bei der Entwicklung eines weiteren Produkts.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski