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Phänomenologie

Beherrscht der Computer unsere Sprache? Eher nicht. Er kann sie nachahmen, uns helfen bei der Arbeit oder zu Hause, Dinge zu finden, Entscheidungen zu treffen, das Internet der Dinge in Betrieb zu setzen. Digitale Stimmen haben Frauennamen und vermitteln ein individuelles Bemühen, Sorge und Häuslichkeit.

So korrespondiert der Computer mit unserem Gemüt, spricht allerdings nicht unsere Sprache, die nicht nur aus elektrischen Impulsen besteht. Unsere Sprache hat einen kognitiven und einen emotionalen Hintergrund, wird geprägt von Erinnerungen, sozialem Leben und körperlichem Vermögen. Die Computersprache erlernen wir, um dann festzustellen, dass sie nicht abänderbar ist. Die Computersprache besteht nur aus Zeichen in unendlicher Vielfalt, zwar fähig, unsere Sprache zu imitieren, aber nicht zu ersetzen.

Die Computersprache ist der synthetischen Phänomenologie zuzuordnen und entspricht nicht dem Stoffwechsel Mensch und Maschine, sondern ausschließlich den Errungenschaften eins Paralleluniversums. Es wäre geboten, ein Moratorium der synthetischen Phänomenologie zu schaffen und sich daran zu machen, die digitale DNA zu entschlüsseln.

Nur so können wir technologische Gewissheiten eingrenzen, kognitive und emotionale Spekulationen überwinden und Furcht und Staunen sowie reine Experimentierfreude hinter uns lassen. Wenn die Untersuchung gelingt, erkennen wir auch im Fremden digitale uns selbst verwandte Strukturen, die selbstbehauptend und sich selbstentwickelnd wirken, aber nicht konkurrenzlos sind. Die menschliche Identität ist eine Herausforderung für jede Maschine und vor allem für das von ihr geschriebene Programm, dessen sie sich hoffentlich nie gewachsen sieht und an ihrer eigenen Unfähigkeit scheitert.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski