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Kreativwirtschaft

Junge Menschen, Berlin und Start-Ups. Da gibt es nur einen Nenner: Kreativwirtschaft. Was ist das eigentlich? Sind alle jungen Menschen, die etwas tun, kreativ, Künstler gar? Und was bewirtschaften sie dann, wenn sie kreativ sind? Etwa ihre Küche oder Schlafzimmer, wird dort aufgeräumt? Sicher wird ordentlich gewirtschaftet mit dem, was vorhanden ist. Das ist löblich, aber nicht kreativ, selbst dann nicht, wenn beim Wirtschaften in den Wirtschaften über die Stränge geschlagen wird.

Es ist so einfach, sich lustig zu machen über ein bescheuertes Kompositum, wie Kreativwirtschaft in „be Berlin“. Natürlich ist es böswillig zu unterstellen, dass diejenigen, die sich dieser Kreativwirtschaft verbunden wähnen, einer Verabredung angehören, die vor allem darauf hofft, dass andere für sie sorgen. Und das tun in Berlin tatsächlich manche Politiker sehr gerne, denn junge Menschen, Kreativität und Start-Ups sind „Bringer“ in dieser hippen Stadt. So glauben die Politiker zumindest.

Tatsächlich vermute ich, dass hier alles seinen sozialistischen bzw. kapitalistischen Gang geht, die Einen künstlerisch veranlagt sind und die Anderen zum Unternehmer taugen. Es ergeben sich Crossover-Situationen und Verbindungen, die harte Arbeit auch im künstlerischen Bereich zum Erfolg führt, aber das scheint mir nichts Neues zu sein. Zu jeder Zeit haben sich Künstler mit ihren Werken durchgesetzt oder Designer ihre Produkte an den Markt gebracht. Die Könner machen von ihren Fähigkeiten dabei wenig Aufhebens, arbeiten konsequent und setzen darauf, dass die Rahmenbedingungen in unserer Gesellschaft so sind, dass sie ihre Chance unter Gewährung von Freiheit und Unabhängigkeit wahrnehmen können. Es ist in dieser Stadt gut und befriedigend, das Selbstbewusstsein, die Professionalität und die Freude am Gelingen zu spüren. Wenn man all das unter Kreativwirtschaft verstehen sollte, dann ist Berlin ein guter Lehrmeister.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski